Ein erinnerungswürdiger Tag im Leben eines Gamers?

Kennt ihr diese süchtig machenden Spiele, bei denen die Zeit wie im Flug vergeht? Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs ist eines dieser hundsgemeinen Spiele, welche man einfach nicht aus der Hand legen kann. Während die meisten Leute zu Silvester 2016 mit Familie und Freunden bereits am späten Abend unterwegs waren und sich auf den Countdown vorbereitet haben, so habe ich Square Enix neuesten Port zu einem PlayStation 2-Spiel stundenlang in meinen Händen gehalten. Immer wieder sagte ich mir “noch ein bisschen, noch ein bisschen”, aber tief im Inneren wusste ich, dass ich auf der Stelle aufhören sollte, wenn ich den Bus noch erwischen wollte.

Dieses Problem dürften die meisten Dragon Quest-Fans kennen. Schon ein halbes Jahr davor folterten uns unschuldigen Spieler Entwickler Square Enix und Publisher Nintendo mit dem siebten Teil der Reihe gnadenlos. Doch diesmal war es etwas Persönliches, denn es war der 31. Dezember 2016 und meine größte Sorge bestand nicht darin rechtzeitig zum Silvesteressen bei den Eltern einzutreffen, sondern einzig allein diesen einen Dungeon noch in der nächsten Stunde absolvieren zu können. Willkommen in der Welt von Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs.

Von Königreichen und bösen Zauberern

König Trode und Prinzessin Medea haben ein kleines Problem. Nachdem ein dunkler Magier namens Dhoulmagus sie beide jeweils in ein Pferd und einen grünen Troll-Goblin verwandelt haben, ruht ihre letzte Hoffnungen bei dem heldenhaften (und zugleich stummen) Protagonisten und seinem Freund Yangus, um sie von ihrem Fluch zu befreien. Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht den bösen Magier quer durch die Welt zu folgen, bis er zur Strecke gebracht wurde.

Der bescheidene Plot erfüllt seinen Zweck und lockert mit interessanten Charakteren, würzigen Dialogen und seinem märchenhaften Setting immer wieder auf die Handlung fortzuführen. Was für mich, als Spieler der Vorgängerteile, besonders überraschte, war das fluide Pacing der Erzähl- und Spielstruktur. Während die älteren Titel den Spieler erst mit einem Mini-Dungeon oder längeren Vorgeschichten auf die große Reise vorbereitet haben (Teile V und VII zum Beispiel), so wirft Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs den Spieler nahezu unmittelbar ins Geschehen, welches eine durchaus willkommene Abwechslung darstellt und selbst ungeduldige Schleimklopfer zufrieden stellen sollte.

Gameplay

Dragon Quest-Spiele sind vergleichbar mit den ältesten Wein-Flaschen, welche jahrzehntelang in irgendwelchen rustikalen Weinkellern gelagert wurden: Je älter sie sind, desto besser soll(t)en sie auch schmecken. Dies trifft auch auf das Kampfsystem von Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs zu, welches keine großartigen Veränderungen seit Anbeginn der Serie aufweist, sich aber immer wieder durch feine Nuancen diverser optimierter Gameplay-Features ausfindig machen lässt, die das RPG-Herz am Ende doch zufriedenstellen können.

Das Kampfsystem ist noch immer ein einfacher Schlagabtausch zwischen der Heldengruppe und serien-typischen Feinden, wie Slimes and Funghouls (bösartige Pilze mit Händen und Füßen). Was die Kämpfe in dem Spiel aber zu einem angenehmen Spieletitel in der Reihe macht, sind die fehlenden Zufallsbegegnungen, die speziell für die Nintendo 3DS-Version eingebaut wurden. Demnach ist es nun möglich den meisten Zufallsbegegnungen während des Spielverlaufes auszuweichen. An der typischen Dragon Quest-Formel wurde jedoch nichts verändert: Es wird nach wie vor gekämpft, geheilt, Spezialattacken oder Gegenstände genutzt, einkommende Angriffe abgewehrt oder auch von gefährlichen Horden weggelaufen. Wichtige NPCs bitten den Spieler ihres Problems anzunehmen, ihr bereist den vorgeschlagenen Ort und macht dem Boss den Garaus. Sollte die Party ab einem gewissen Zeitpunkt zu stark oder fortgeschritten sein, dann laufen die Gegner meist von ihnen weg oder es gibt die Möglichkeit per Schnellreise-Feature zwischen den bereisten Orten zu pendeln. Kurz gesagt, es Dragon Quest-et sich wie eh und je.

Was dem Kampfsystem aber die nötige spielerische Würze gibt, ist das Tension-System. Ähnlich, wie bei einem Limit-Kampfsystem oder jenes aus der Bravely Default-Reihe, kann der Spieler über eine gewisse Zeit “Anspannung” aufladen, um darauffolgend mit einem vernichtenden Schlag den Kampf kurzerhand zu den eigenen Gunsten entscheiden zu lassen. Jeder Charakter kann sich bis zu drei Runden aufladen, ist aber während dieser Zeit schutzlos jedem Widersache ausgeliefert, weswegen dies auch ein zweischneidiges Schwert sein kann. Zusammen mit dem Level Up-System, welches eine individuelle Entwicklung des Charakters anhand Fähigkeiten und tragbaren Waffen erlaubt, bleibt Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs ein durchwegs motivierendes Langzeitspiel, weil die neu erlernbaren Fähigkeiten nicht nur den Kampffluss verändern, sondern eben noch mehr taktische Finesse zulassen.

Die Spielewelt ähnelt vom Aufbau auch hier seinen Vorgängern. Eine große, offene und begehbare Welt mit mehreren Städten, Erkundungsorte und Dungeons. Das neue Foto-Feature der Nintendo 3DS-Version kann man als einen seichten Mischmasch aus den einmaligen Foto-Momenten von Earthbound und der Monstersuche eines Pokémon Snap vergleichen, indem der Spieler den Protagonisten und seine Mitstreiter oder die herumlaufenden Monster fotografieren und diese selbstgemachten Bilder mit Effekten und Grafiken bearbeiten kann. Dieses Gimmick ist jedoch nicht zwingend notwendig um das Spiel zu beenden. Wer aber gerne seinen Freunden zeigen möchte, wie die ulkig oder lässig positionierten Helden in diversen Hintergründen wirken, der kann dies uneingeschränkt über StreetPass und SpotPass und tun.

Grafik

Wenn man ein Auge zudrückt und für einen Moment lang ignoriert, dass Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs ein abgespeckter grafischer Port des PlayStation 2-Titels ist und man es daraufhin als einen eigenständigen Titel betrachtet, dann macht das Spiel einen guten Ersteindruck. Dennoch sind Vergleiche zum Originalspiel unausweichlich, welche die deutlich überlegenere grafische Version darstellt.

Trotzdem kann das Spiel für den Nintendo 3DS in den Punkten Kamerasteuerung, Menüführungen, die vertonten Zwischensequenzen, die Foto-Sessions und vor allem die Kämpfe überzeugen. Einziger Wermutstropfen ist jedoch traurigerweise der fehlende 3D-Effekt, welcher wahrscheinlich aus Performance-Gründen nicht implementiert wurde.

Sound

Koichi Sugiyama’s Soundtrack weiß auch diesmal wieder zu überzeugen. Zusätzlich darf sich der Spieler erstmalig über eine englische Sprachausgabe freuen, die sich ebenfalls hören lassen kann. Fans japanischer Synchronstimmen gehen an dieser Stelle allerdings leider leer aus.

Abschließende Worte

Es lief gerade Dinner for One am Silvesterabend im Fernseher, als ich mich durch Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs bewegte und folgende Worte zu hören waren: “The same procedure as every year, James.” Kaum hörte ich die Worte des beliebten Klassikers, so konnte ich Square Enix Dragon Quest-Veröffentlichungspolitik vor meinem geistigen Augen sehen. Nachdem wir in den letzten Jahren mit den Dragon Quest-Teilen IV bis IX beglückt wurden, so steht uns bald der nächste Titel mit XI ins Haus, auf welchen ich mich schon jetzt ganz insgeheim freue.

Dragon Quest VIII: Die Reise des Verwunschenen Königs bleibt sich und seinen gut 30 Jahre alten Wurzeln treu. Ich persönlich kann als Spieler der zweiten Stunde nicht genau sagen, inwiefern sich die PlayStation 2-Version von der Nintendo 3DS-Ausgabe nun tatsächlich unterscheidet und daher keine konkreten Angaben für die Hardcore-Fans der Reihe geben. Möchte man aber diversen Langzeit-Spielern glauben, so dürfte die Nintendo 3DS-Version die aktuell beste Edition vom achten Ableger sein, welcher neue Inhalte hinzufügt.

In meinen Fall bin ich jedoch vollstens auf die Kosten gekommen. Wenn es Irgendetwas zu bemängeln gibt, dann sind dies der fehlende 3D-Effekt und die teilweise doch langen Ladezeiten. Abschließend wäre nur zu sagen, dass jRPG-Fans bei diesem Titel nichts falsch machen können. Die Dialoge sind knackig, das Spiel ist nicht zu leicht oder zu schwer und es überzeugt (fast) nahezu auf der ganzen Linie.

– Gameplay süchtigmachend wie eh und je

– Solide grafische Präsentation

– Erstmalig mit englischer Sprachausgabe

– Neue Inhalte speziell für die 3DS-Version

– Sinnvolle Spielerweiterungen für RPG-Müffel

– Kein 3D-Effekt

– Teilweise lange Ladezeiten

– Grafisch der PS2-Version unterlegen

– Keine japanische Synchronisation enthalten

Eure Meinung dazu?