Alle guten Dinge sind drei. Und eine lange Wartezeit!

Als Fan der Spiele Ico und Shadow of the Colossus, die beide auf der PlayStation 2 im Abstand von ziemlich genau vier Jahren veröffentlicht wurden, war es eine unglaubliche Folter, die Entwicklung von The Last Guardian in den vergangenen sieben Jahren nach dessen Ankündigung mitzuverfolgen. Zahlreiche Verschiebungen, plötzliche Personaländerungen beim Entwickler, die mitunter auch zur Auflösung des offiziellen Studios geführt haben, und die Ungewissheit, ob das Spiel überhaupt noch das Licht der Welt erblicken würde, saßen ständig im Hinterkopf der interessierten Gamer. Doch nun hat Fumito Uedas Kreation endlich seinen Weg von der PlayStation 3 auf die PlayStation 4 und letzten Endes auch in den Handel gefunden.

Namenlos, wortlos und dennoch alles erzählt.

The Last Guardian ist zweifellos das beeindruckende Spiel, welches Gamern vor knapp sieben Jahren erstmals vorgestellt und versprochen wurde.

Die Geschichte von The Last Guardian beginnt mit einem mittelalterlich erscheinenden Medizinbuch, in dem Tiere in skizzierter Form dargestellt werden. Zu sehen sind Antilopen, Ratten und Löwen allesamt mit ihren Bezeichnungen in Latein, englischer oder sogar deutscher Sprache. Und dann gibt es plötzlich ein fiktives Wesen zu sehen, welches wie die Mischung aus einem Vogel und einer Ziege erscheint – die Bezeichnung: Trico. Der Bildschirm wird dunkel und man erwacht in einer Höhle wieder. Der Protagonist, ein kleiner Junge dessen Name im gesamten Abenteuer nie in Erfahrung gebracht wird, erlangt sein Bewusstsein mit der Überraschung, dass er neben dem soeben zu sehenden fiktiven Wesen liegt. Scheinbar dürfte er über einen Spalt in den Untergrund und somit dessen Verließ gefallen sein. Das schlafende und sichtlich durch Speere geschwächte Wesen liegt angekettet und in Geschirr gehüllt am Boden und stellt somit keine großartige Bedrohung dar. Immerhin sind Tricos – zumindest teilt dies die im Spiel selten ertönende Erzählerstimme mit – gefährliche und unberechenbare Wesen, die Menschen bereits mit nur einem Bissen verschlingen können. Doch irgendwie tut dieses verzweifelt klingende Tier dem Spieler ein wenig leid, daher füttert man dieses mit einigen Wasserfässern, entfernt die aus blutigen Wunden klaffenden Speere und auch die schwere Metallkette, die Trico in der Höhle gefangen hält. Mit jeder Aktion und jedem Zuruf wird das zuvor so wilde Tier auf einmal zutraulicher und folgt dem kleinen Jungen aus seinem Gefängnis – so beginnt ein Abenteuer, das kein Ende zu nehmen scheint!

The Last Guardian ist ein bislang beispielloses Stück Videospielgeschichte, welches nahezu durchgehend ohne Erzähler und Tutorial funktioniert. Man bewegt sich stets von Areal zu Areal, versucht einen neuen Ausgang aus den zurückgebliebenen Ruinen der mysteriösen zerstörten Stadt zu finden und steuert dabei einzig und alleine den namenlosen Jungen, der hauptsächlich durch Zurufe mit dem gigantischen Wesen interagiert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht natürlich Tricos animalisches Verhalten und dessen Verbundenheit zu dem Menschenkind – nicht nur einmal kommt es vor, dass die Freundschaft zwischen den beiden in heiklen Situationen und in Form von herzergreifenden Sequenzen verdeutlicht wird.

Trotz aller emotionaler Szenen besitzt The Last Guardian eben wegen seiner unikaten Erzählform auch sehr viele langatmige und eher unangenehme Stellen. Das Spiel mag zwar von seinen ruhigen Momenten leben, in denen der Spieler in die sagenumwobene Welt eintauchen kann, versäumt es aber an vielen Stellen rechtzeitig auf den Punkt zu kommen. Oftmals irrt man planlos in der Gegend herum, nicht wissend was man genau erledigen soll um im Storyverauf voranzuschreiten, und verbringt somit einen Großteil der Zeit mit Suchen und Erforschen. Selbst wenn diese Kernelemente von The Last Guardian darstellen, wurden die wirklichen Storypunkte, welche die Geschichte des PlayStation 4-Titels vorantreiben, rar gesät. Und das wird bei einem Spiel, welches einzig und alleine die stets besser werdende Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Tier thematisiert, auf die Dauer anstrengend. Besonders wenn man nicht wirklich weiß wo man sich ungefähr im Spiel befindet oder was als nächstes folgt. Bis zur Hälfte des Spiels irrt man nur von Raum zu Raum, nur um irgendeinen Anhaltspunkt in der Story zu finden. Anschließend spielt man weiter, um die gelegentlich ausgehändigten Storyhappen zu konsumieren und dann ab der Hälfte und im letzten Drittel mehr über die eigentliche Welt, Trico und den Jungen zu erfahren. Im Gesamten eine solide Story, dessen Dramaturgie auf jeden Fall besser aufgeteilt hätte werden können.

Gameplay

Tricos Flügel sind gestutzt, daher kann das Federvieh mit seiner menschlichen Begleitung nicht aus der mystischen Stadt entkommt. Aus diesem Grund muss das Duo zu Fuß einen Weg aus dem umgebenden Gefängnis finden. Man steuert den kleinen Jungen das gesamte Abenteuer über und greift dabei auf eine sehr beschränkte Anzahl an Gameplayelemente zurück. Mit einem Druck auf die Dreieck-Taste des PlayStation 4-Controllers springt man, der X-Knopf lässt ihn Vorhänge hinunterbaumeln und der Kreis-Button dient dazu Gegenstände aufzuheben sowie Schalter zu betätigen und Trico zu streicheln. Die Interaktion mit dem Biest ist dabei ein essentieller Bestandteil von The Last Guardian.

Mit jeder Aktion und jedem Zuruf wird das zuvor so wilde Tier auf einmal zutraulicher und folgt dem kleinen Jungen aus seinem Gefängnis – so beginnt ein Abenteuer, das kein Ende zu nehmen scheint!

Dort wo das Menschenkind aufgrund seiner Größe zu klein oder zu schwach ist, zertrümmert das Fabelwesen Gegner, springt über klaffende Tiefen oder zerschießt Barrikaden mit Stromstößen aus seinem Schweif. Es agiert dabei durchgehend auf eigene Faust und ist vom Spieler nur durch das Drücken der R1-Taste in die gewünschte Richtung lenkbar. Es ist auch durchaus möglich, dass Trico von etwas anderem abgelenkt ist und Befehle daher komplett ignoriert. Simple Rätsel, die das Erkunden der Umgebung voraussetzen und Großteils das Umlegen eines Schalters oder Verschieben eines Objektes voraussetzen, begleiten den Spieler von Anfang bis zum Ende durch die Geschichte. Dementsprechend gibt es auch keine Schwierigkeitsgrade, dafür aber einzelne Kostüme zum Freischalten. Es ist dabei beachtlich, wie effizient das Spiel ohne spezielle Items, Upgrades und Rollenspiel-Elemente auskommt und dabei dennoch von Anfang bis zum Ende interessant bleibt, leicht verständlich und trotzdem herausfordernd ist.

Der namenlose Junge kann natürlich auch sterben, schafft es aber selbst Stürze aus luftigen Höhen mit einem kurzzeitigen Humpeln und Schmerz erfüllten Gesicht zu überleben. Wird er von gruseligen Rüstungen gepackt, kann er sich durch das Drücken sämtlicher Tasten von seinen Entführern losreißen und diese zu Boden schubsen, ehe er davon läuft. Der Bildschirm wird dabei von sonderbaren Symbolen überschwemmt, die durch das unkontrollierte Drücken sämtlicher Tasten verscheucht werden. Sichtbare Checkpoints gibt es in dem Spiel keine, man kann lediglich davon ausgehen, dass man nach dem Bewältigen eines Rätsels an einen Speicherpunkt gelangt. Die Tatsache, nicht manuell speichern und das Abenteuer an einem selbst ausgewählten Punkt fortsetzen zu können, ist etwas umständlich.

Grafik

Blickt man über die Tatsache hinweg, dass The Last Guardian eigentlich ein PlayStation 3-Spiel hätte sein sollen und für Sonys nächste Generation regelrecht “umgebaut” wurde, sieht der Titel wirklich gut aus. Die sagenumwobene Stadt birgt viele Geheimnisse und verblüfft mit architektonisch wertvollen wenn auch absurden Bauten. Tricos Federn rascheln bei jeder Bewegung unkontrolliert und dennoch natürlich wie Blätter im Wind und werden vom Menschenkind umklammert, um bei Sprüngen und Taucheinlagen nicht runter geschleudert zu werden. Der kleine Junge wirkt durch sein tapsigen Verhalten klein und zerbrechlich und manchmal auch etwas ungeschickt – besonders wenn sich dieser rücklings auf den Boden fallen lässt, während dem er von Trico hinunter steigt.

Die meiste Zeit verbringt man damit das riesige eigentlich eher kindlich als furchterregend wirkende Wesen zu beobachten. Wie dieses ängstlich das erste Mal ins Wasser springt, sich wie ein Hund hinter den Ohren kratzt oder mit dem Kopf in einer Öffnung stecken bleibt, weil er dem kleinen Kind folgen möchte und seine eigene Körpergröße nicht einschätzen kann. Die Rätsel, vor die der Spieler gestellt wird, sind simpel und fordern den Spieler hauptsächlich aus dem Grund, weil dieser die zerstörte Umgebung und die zu Verfügung stehenden Mitteln erst suchen und zu kombinieren verstehen muss. Somit sind sämtliche Areale eigentlich sehr linear aufgebaut, die Vielseitigkeit der Rätsel spielt darüber aber auf wirklich geschickte Art und Weise hinweg.

Dennoch merkt man teilweise, dass The Last Guardian eigentlich nicht ursprünglich für die PlayStation 4 geplant war. Selbst wenn die Texturen sämtlicher Oberflächen stellenweise gestochen scharf sind und die Entwickler viel auf kleine Details geachtet haben, gibt es vereinzelte Slowdowns sobald man von kleinen Arealen in offene Gebiete voranschreitet oder Tricos Federn wild im Wind herumtanzen. Unnatürlich wirken die Bewegungen des kleinen Jungen, wenn dieser auf Trico herumklettert oder mit den Armen spontan nach einer Leiter greift und auch die Kamera verschwindet zeitweise in einer Wand und lässt den Spieler für einige Sekunden vor einem schwarzen Bildschirm zurück. Wirklich unangenehm ist es allerdings, wenn der kleine Junge ein Seil oder eine Kette nicht im Sprung erwischt, weil die Kamera sich während dem Anvisieren und dem eigentlichen Sprung kurz versetzt.

Sound

Wie auch in Ico und Shadow of The Colossus wartet The Last Guardian mit einer Vielzahl sanfter und emotional berührender Soundtracks auf und macht dabei von diversen klassischen Instrumenten Verwendung. Selbst wenn man während den meisten Rätseeinlagen eher das Rauschen des Windes oder das Tropfen von Wasser auf Steinen zu hören bekommt, fällt das plötzliche Einsetzen des Soundtracks in speziellen Momenten wie einem Angriff oder dem Entdecken eines neuen Areals gekonnt auf.

Verständliche Sprachausgabe gibt es in dem Spiel keine. Der Erzähler, welcher sich nur in den wenigsten Fällen mit einigen Tipps zu Wort meldet, spricht ebenso wie der Junge eine real klingende fiktive Sprache und den Ernst einer Situation gut vermittelt. Selbst wenn Trico nie ein Wort von sich gibt, röhrt er beim Hinauslaufen auf große Flächen und weint dem Menschenkind wie Chewbacca aus Star Wars hinterher, wenn sich dieser für kurze Zeit aus seiner Reichweite entfernt.

Abschließende Worte

The Last Guardian ist zweifellos das beeindruckende Spiel, welches Gamern vor knapp sieben Jahren erstmals vorgestellt und versprochen wurde. Man bekommt eine beeindruckende Welt mit mystischen Kreaturen und einer originellen Story geboten, welche sich hinter einer etwas umständlichen Steuerung und durchschnittlicher Optik verbirgt – etwas was im Gesamten den Eindruck hinterlässt, dass es sich bei dem Spiel um einen PlayStation 3-Titel handelt, welcher nur zufällig exklusiv für PlayStation 4 in den Handel gekommen ist.

– Emotionale & originelle Story

– Fantastisches Setting

– Intuitive Steuerung

– Tricos natürliches Handeln…

– Teils klobige Steuerung

– Grafische Stolpersteine

– Sporadische Framerate-Einbrüche

– … das schwer zu kontrollieren ist.

– Umständliche Kamerabedienung

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