Trotz der vehementen Absagen und Verneinungen auf die Frage, ob der bekannteste Videospiel-Charakter jemals offiziell das Licht der Welt auf einem Smartphone erblicken wird, hat sich der japanische Old School-Entwickler Nintendo doch noch irgendwie dazu überreden lassen, sein edelstes Ross im Stall auf der Spielwiese des mobilen Marktes reiten zu lassen. Und nun ist es endlich in all seiner Pracht erschienen: Super Mario Run am iPhone! Als Gamer, der etliche Konsolen sein Eigen nennt und insbesondere bei Super Mario-Spielen viel Zeit in die liebevoll gestalteten Levels investiert hat, ist das ein besonderer Moment! Hier trifft die wohl am meisten bekannte Spielfigur der Gamingwelt auf die User der Smartphone-Welt. Hier treffen über 25 Jahre Hardcore-Leidenschaft auf einen jungen und nahezu unkontrollierbaren Markt. Hier trifft Nintendo auf den Ich-will-mal-eben-nur-5-Minuten-Spielen-Casual Gamer.

Und dann das. Eine Durchschnittsbewertung von knapp 2,5 von 5 Sternen im App-Store und das bei einer Beteiligung von rund 1.300 Usern.

„Gut“ denk ich mir, „Dann checken wir das Spiel mal ab!“. Die ersten drei der 26 Levels sind kostenfrei spielbar. Wenn man alle Levels spielen möchte, muss man 9,99€ zahlen. Da die angesprochenen ersten drei Levels wirklich unterhaltsam sind und sich deren Aufbau aufgrund von unterschiedlich versteckten Münzen laufend ändert, zahl ich gerne die gewünschten 9,99€. Die restlichen Levels bieten ebenso genügend Smartphone-typischen Spielespaß, Abwechslung und den bekannten Super Mario-Charme – Ich bin zufrieden. Aber wie kommt das Spiel zu seiner 2,5er Punktewertung? Ein flüchtiger Blick in die Kommentare des App-Stores genügt, damit ein halbwegs normal denkender Gamer, mit bisschen Verständnis für die Videospiel-Industrie, vor Weißglut kocht.

Bei all dem Müll, der heutzutage auf den Smartphones kostenlos unter dem Synonym „Spiel“ verscherbelt wird, erdreisten sich irgendwelche Vollidioten einer für die Hardware ausgelegten Software eine 1-von-5-Sternen-Bewertung zu geben, mit dem Argument „10 Euro!!! Was soll das!!!! Hab mi so gfreut drauf. Abzocke„! Man muss schon des Wahnsinns knusprige Beute sein, lieber einen Hut voller digitaler Scheiße zu bevorzugen und nichts dafür bezahlen zu wollen. Logisch, diese Vollhorste scheuen sich davor 10€ für ein solides Spiel auf einem 500€ teuren (oder sogar teureren) Elektronikgerät ausgeben zu müssen. „Ich warte seit Wochen auf dieses Spiel und hatte die Hoffnung dass es cool wird wie Temple Run oder Real Racing, aber nein ich muss 10€ dafür zahlen. Hab’s sofort wieder gelöscht!!!!!“ Wenn du Bahnhofaffe dich wenigstens ein bisschen über das Spiel informiert hättest, wäre deine unverständliche Enttäuschung vermutlich nur halb so riesig gewesen wie das Handy, von dem du Super Mario Run gelöscht hast!

Auf diesem Markt, dessen Inhalte immer mehr vom Interesse bescheuerter Kunden bestimmt und von hohlköpfigen „Experten“ analysiert wird, um anschließend Prognosen für Absätze und die Zukunft eben dieser immer beschissener werdender Spiele zu bestimmen, ist Super Mario Run ein erstklassiges Spiel. Das Einzige was in dessen Umfeld eine Katastrophe darstellt, ist der verwöhnt-verblödete Kunde, der mit der festen Überzeugung, den goldenen Penis der Weisheit kostenfrei auf sein Smartphone laden zu können, den Ton angibt!

Eure Meinung dazu?