Wir lernen die Assassinen der Tierwelt kennen!

Wenn man den Namen des französischen Entwicklers Ubisoft hört, erscheint Gamern gleich mindestens eine bekannte Spielmarke vor dem geistigen Augen: Assassin’s Creed. Was 2007 erstmals mit Altaïr seinen Anfang fand, hat sich mittlerweile zu einer finanziell betrachtet erfolgreichen Marke entwickelt, bei dem jeder Ableger als Kassenschlager endet. Mit der Ankündigung eines Virtual Reality-Titels dachten viele Gamer an eine Fortführung der Assassinen-Reihe im klassischen Stile: mit einem coolen Attentäter und einer antiken Stadt. Wer Child of Light und Valiant Hearts: The Great War kennt, der weiß, dass Ubisoft mit seinen kreativen Köpfen gerne mal “out of the box” denkt und von den Werkzeugen Nutzen macht, die man der Spieleschmiede zur Verfügung stellt.

Erster postapokalyptischer Weißkopfseeadler-Spielplatz

Jeder hatte schon einmal diesen Traum, indem man langsam über eine Stadt schwebt und schwerelos aus der Luft auf Wohnhäuser und Gassen hinunter blickt. Diesen erlebt man in der virtuellen französischen Hauptstadt. Es dauert auch nicht lange, bis man in Eagle Flight erkennt, dass die Straßen von Paris von Zebras und Elefanten und nicht wie gewohnt von Kaffee trinkenden und sorglos lebenden Menschen bevölkert sind. Und spätestens, wenn man an dem grün überwucherten Eifelturm in Vogel-Form vorbei gleitet, ist klar, dass die Menschheit in dieser Welt nicht mehr existiert und die Natur die Weltstadt für sich erobert hat. Herzlich willkommen in Oaria, dem Spielplatz der Tiere!

Ubisoft erschafft mit Eagle Flight die erste Franchise-verwandte (Assassin’s Creed lässt grüßen) Flug-Simulation, die den Spieler in die Rolle eines Federviehs schlüpfen lässt. Man erlebt die Geburt des eigenen Ichs und lässt es sich nicht nehmen, bereits nach kürzester Zeit aus den luftigen Höhen des Notre Dame und gleichzeitig ins Abenteuer zu stürzen. Nach einem kurzen Tutorial gilt es die ersten Federn für das eigene Nest zu sammeln, wonach bereits die ersten Zeit-Wettrennen in den, von Tieren bevölkerten, U-Bahn-Systemen ausgetragen werden. Zwischendurch schnappt man im Fluss Seine nach saftigen Fischen und tragt Fluggefechte mit rivalisierenden Krähen aus – das Leben könnte so einfach sein!

Die virtuelle Stadt Paris ist ein riesiges Areal, welches von Beginn an frei erkundet werden kann und über zahlreiche Missionen verfügt, die auf Knopfdruck zu sehen sind und durch einfaches Hineinfliegen gestartet werden. Jedes Level belohnt den Spieler je nach Leistung mit bis zu drei Sternen, wodurch laufend neue Areale, Herausforderungen und Storymissionen freigeschaltet werden.

Gameplay

Die Missionen wären mit einer herkömmlichen Steuerung nur halb so interessant, Eagle Flight fasziniert deshalb mit einer ausgesprochen intuitiven, leicht zu erlernenden und knifflig zu meisternden Bedienung. Prinzipiell gilt: wohin geblickt wird, dahin fliegt man. Somit werden enge Kurven durch das Neigen des Kopfes getätigt, beschleunigt und verlangsamt wird über die Schultertasten des PlayStation 4-Controllers. Damit man während den Flugeinlagen nicht das Gleichgewicht verliert, empfiehlt es sich das Spiel im Sitzen zu spielen. Dies erweist sich spätestens bei zeitintensiven Missionen als ausgesprochen sinnvoll, da man hier binnen kürzester Zeit schnell reagieren muss, um nicht im Sturzflug gegen eine Wand zu prallen. Im späteren Spielverlauf bietet sich ein Schallwellen-Angriff an, mit dem feindliche Vögel verscheucht werden können und somit das Spielgeschehen spätestens im Mehrspielermodus mit einem interessanten Schlagabtausch ergänzt. Man sollte nichtsdestotrotz gesagt haben, dass die zahlreichen Challenges recht knifflig sind, besonders weil man neben dem Schwenken des Kopfes auch mit dem Regulieren der Geschwindigkeiten feinfühlig umgehen muss. Da man bereits bei der kleinsten Fehlbewegung ein ganzes Level neu startet, wird man sich auf diverse Frustmomente gefasst machen müssen.

Interessant ist auch zu erwähnen, dass Eagle Flightt eines der wenigen PlayStation VR-Spiele ist, in dem man keine Angst vor Motion Sickness, also dem Auftreten von Übelkeit während dem Spielen, haben muss. Auch nach längeren Spielesessions gab es, abseits von einer dezenten Rötung der Augen, keine Anzeichen von einer unangenehmen Beeinflussung.

Multiplayer

Die knapp vier Stunden lange Kampagne erfüllt ihre Aufgabe, den Spieler gründlich auf den Mehrspieler-Part von Eagle Flight vorzubereiten. Selbst wenn sich dieser lediglich auf einen 3-gegen-3-Modus beschränkt, ist es ausgesprochen interessant Capture the Flag als Vogel zu bestreiten. An dieser Stelle gilt es eine Beute zu verteidigen und die des Gegners zu entwenden – sofern man gemeinsam als Team voranschreitet, ist der Erfolg gewiss. Der Mangel an zusätzlichen Spielmodi ist zwar bitter, das Spiel verdeutlicht nichtsdestotrotz wie einfach die Steuerung von der Hand (oder eigentlich vom Kopf) geht.

Es empfiehlt sich den Mehrspielerpart ausschließlich nach dem Bewältigen der Story zu spielen, da der Spielspaß ansonsten ziemlich schnell von den geübten Spielern und Trophyhuntern, die nur auf das Zermürben der Gegner aus sind, genommen wird.

Grafik

Im Gegensatz zu bisherigen Ablegern der Assassin’s Creed-Reihe greift Eagle Flight nicht auf eine realistische Grafik, sondern auf simple CelShading-Optik zurück. Sämtliche Tiere und Gebäude werden somit in einem, der UbiArt Framework-Optik ähnelnden, Grafikstil dargestellt. Die Miniatur-Häuser sind dabei proportional zu den Adler-Modellen irrsinnig klein ausgefallen, sodass man sich eher in einen Drachen als einen Adler verkörpert fühlt. In der Vogelform fliegt man über die französische Großstadt und kann unter Brücken, riesigen Löchern in Gebäuden und stillgelegten Booten und Bussen durchfliegen. Die chaotisch zurück gelassenen Fahrzeuge und Aushöhlungen in den Häusern lassen vermuten, wodurch die Menschheit aus Paris verscheucht wurden, eine konkrete Erklärung gibt es allerdings nicht.

Ubisoft gibt sich dabei große Mühe den Spieler in die Rolle eines Weißkopfseeadler zu versetzen. Dazu sieht man zu Beginn permanent den eigenen Schnabel zwischen den beiden Augen, bis man diesen nach einiger Zeit ausblendet. Zudem verengt sich das Sichtfeld während dem Fliegen, wenn man durch enge Gebäudestellen hindurch huscht oder man auf ein Ziel im Sturzflug zuhechtet.

Sound

Der mystisch klingende gruselige Soundtrack, den man in den ersten Spielminuten zu Ohren bekommt, zieht sich über die gesamte Spielzeit durch Eagle Flight. Egal ob man durch die Katakomben huscht oder über die Straßen der Stadt gleitet, es ist jederzeit klar, dass sich in dem von Menschen verlassenen Paris etwas Furchtbares zugetragen hat. Dann wiederum lauscht man dem Apocalyptica-ähnlichen Soundtrack, während dem man den Kopf beim Durchsausen der U-Bahnnetze der französischen Großstadt einzieht und erfreut sich am sanften Geräusch, wenn ein Feder oder ein Fisch aufgesammelt wurde.

Abschließende Worte

Eagle Flight ist zweifellos eine originelle Überraschung; eine sonderbare Idee die gut umgesetzt wurde und auf seine eigene Art und Weise kurzfristig begeistert. Simple Gameplay-Mechaniken, solides Design und ein fordernder Mehrspielermodus halten Gamer zumindest für einige Spieleabende auf Trab. Nach wenigen Stunden Spielzeit setzt allerdings der Frustfaktor bei den harten Herausforderungen und die Ernüchterung über den geringen Umfang der knapp 40€ teuren Software ein.

– Intuitive & leicht zu erlernende Steuerung

– Unterhaltsamer Multiplayer…

– Das virtuelle Paris im Flug erkunden

– Keine Anzeichen von Motion Sickness

– Spontan nachgeladene Texturen

– … Mit nur einem Modus etwas kurz

– Grafisch auf das Simpelste heruntergebrochen

Eure Meinung dazu?

So fühlt sich ein Leben als Assassin’s Creed-Adler an

Ubisoft veröffentlicht den 101-Trailer zu der kommenden Adler-Simulation aus dem Assassin’s Creed-Universum Eagle Flight. In diesem schlüpft man in die Rolle eines gefiederten Begleiters und erfüllt aus der Flugsicht Missionen. Eagle Flight ist hierzulande ab 18. Oktober 2016 für Oculus Rift erhältlich und erscheint am 8. November 2016 für PlayStation VR sowie am 20. Dezember...