Verpflichtende Freude mit einem Jahr Verspätung

Nach zwei erfolgreichen Staffeln und einem Film zu dem erfolgreichen Manga, folgte 2015 mit Psycho Pass: Mandatory Happyness das erste Videospiel zu dem beliebten Scifi-Universum exklusiv für Xbox One und ausschließlich im japanischen Raum. Mit der wachsenden Beliebtheit der dystopischen Thematik wurde das Verlangen der japanischen Nicht-Xbox One-Besitzer und Fans außerhalb von Japan stets größer, sodass in 2016 dem Release für PlayStation Vita und PlayStation 4 sowie für den Europäischen und Amerikanischen Raum nichts mehr im Wege stand.

Über künstliche Intelligenzen und freien Willen

Bei der guten Story ist es etwas traurig, dass man kaum irgendwelche Gameplay-Passagen zu Gesicht bekommt.

Psycho Pass entführt den Spieler nach Japan ins Jahr 2112, einem Zeitalter in dem ein künstliches Überwachungssystem namens Sybil System den mentalen Zustand einer Person konstant überprüft und anhand dessen die Wahrscheinlichkeit einschätzt ein Verbrechen zu begehen, bevor dieses überhaupt verübt wurde. Dies geschieht durch das Scannen des Gehirns eines jeden Individuums, sodass jeder Bürger einen Psycho-Pass besitzt, auf dem eine Prozentanzeige den Ist-Zustand einer Person darstellt. Ist dieser über 150% steht es den örtlichen Behörden frei die Person mit einem Stromschuss zu paralysieren, um sie anschließend einer Therapie zu unterziehen und sie so wieder zu “heilen”. Wird der Prozentsatz jedoch übertroffen, ist die Erfolgseffizienz einer Heilung unwahrscheinlich, sodass diese mit einem tödlichen Schuss, der den vermeintlichen Übeltäter in eine große Blutlacke pulverisiert, neutralisiert werden müssen. Das Paradoxe an dem System ist, dass die zum Töten befähigten Enforcer selbst ehemalige Kriminelle sind, die von Inspektoren, Detektiven mit einem klaren Psycho-Pass, überwacht werden. Der Anime erzählt von einer Polizeidivision, die sich auf die Jagd diverser Verbrecher spezialisiert hat und größtenteils aus der Sicht des stetig erfahrener werdenden Anfängers Akane Tsunemori erzählt wird.

Psycho Pass: Mandatory Happyness wurde dabei im Zeitrahmen der ersten Staffel des Animes positioniert und stellt zwei neue Charaktere vor, aus deren Perspektive man das Universum erleben kann; Enforcer Takuma Tsurugi, der auf der Suche nach seiner verschollenen Liebe ist und Inspector Nadeshiko Kugatachi, die große Wissenslücken in ihrer Vergangenheit besitzt. Spielt man die eine Figur hat man sehr viel mit der anderen zu tun und erfährt viel über deren Einstellungen, kann sich bei einem weiteren Spieldurchgang in deren Rolle aber für andere Auswahlmöglichkeiten entscheiden. Man erhält dabei laufend Eindrücke über ihre Gedanken und Gefühle zu den verworrenen Geschehnissen, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Da die Geschichte parallel zu den Inhalten der ersten Anime-Staffel läuft, hängen viele Plottwists des Spiels mit den Geschehnissen der Videospieladaptierung zusammen und machen Psycho Pass: Mandatory Happyness zu einer vollwertigen Ergänzung des Psycho-Pass-Universums. Gemeinsam mit vielen bekannten Charakteren begeben sich die beiden Neuzugänge auf die Jagd nach einem weiteren kriminellen Superhirn, welches dazu in der Lage ist sämtliche Roboter der technologisch hoch entwickelten Großstadt Tokio zu hacken.

Es empfiehlt sich sämtliche Animes zu Psycho-Pass gesehen zu haben, um Insider und selbst etwaige Anspielungen auf spätere Momente in der Reihe nachvollziehen zu können. Auch wenn die Grafic Novel irgendwo im Rahmen der 1. Staffel angesetzt wurde, ist die Story von Psycho Pass: Mandatory Happyness eine ausgesprochen gute; geschmückt mit einigen wirklich herben Plottwists und unzähligen Entscheidungsmöglichkeiten gestaltet sich das Spiel als wahrer Storybrocken, der eingefleischten Fans ordentlich viel Inhalt bieten sollte. An dieser Stelle wäre eine Fortschrittsanzeige oder eine Übersicht von sämtlichen bereits einmal getroffenen Entscheidungen, so wie man es von Spielen wie The Walking Dead kennen gelernt hat, praktisch gewesen. Ohne diese Übersicht ist man gezwungen sämtliche Entscheidungsmomente auswendig zu lernen und mit mehreren Speicherständen zu arbeiten, wenn man in den vollen Genuss der Geschichte kommen möchte.

Gameplay

Das gesamte Spiel ist in englischer Sprache gehalten und die Sprachausgabe mit japanischen Synchronstimmen versehen worden.

Psycho Pass: Mandatory Happyness ein Spiel zu nennen ist eigentlich falsch, denn obwohl es auf der PlayStation 4 und PlayStation Vita erhältlich ist, besteht die Interaktion mit den Geschehnissen hauptsächlich aus dem Drücken des X-Knopfes, um Textpassagen weiter zu klicken. Und selbst diese kann auf einen automatischen Modus umgeschaltet werden, um das Voranschreiten nicht permanent bestätigen zu müssen. Abseits dessen wählt man nur gelegentlich vereinzelte Entscheidungen, um den Verlauf der Story zu beeinflussen. Diese bewirken, dass sich die Beziehung des Protagonisten zu den Charakteren ändert, unter Umständen ganze Fälle ungeklärt bleiben und im schlimmsten Fall sogar das schlechte Ende erzielt wird. Vereinzelte Schlüsselwörter werden in den Textblöcken farblich hervorgehoben und in einer Sammlung festgehalten. Anhand dieser ist es jederzeit möglich sich bestimmte Details zu spezifischen Themen noch einmal durchzulesen, um in jeder Situation die passenden Entscheidungen zu treffen.

Bei der guten Story ist es etwas traurig, dass man kaum irgendwelche Gameplay-Passagen zu Gesicht bekommt. Minispiele oder ein Reaktionsspielchen hätten da sicherlich wesentlich mehr Abwechslung geboten, so wie es Titel wie Ace Attorney oder The Walking Dead zuvor gemacht haben.

Grafik

Die gesamte Story wird in Form von Bildern und Textpassagen erzählt, nur selten bekommt man eine animierte Szene zu sehen und wenn, dann ist diese auch im Stile des Animes gehalten worden. Emotionsänderungen von Charakteren werden in Form von geänderten Bildern dargestellt, sodass man stets über den aktuellen Gemütszustand einer Spielfigur Bescheid weiß. Die Menüs des Spiels sind ebenso wie die technischen Gadgets sehr futuristisch angehaucht worden, wodurch sich Fans des Animes gleich wie zuhause fühlen werden.

Sound

Das gesamte Spiel ist in englischer Sprache gehalten und die Sprachausgabe mit japanischen Synchronstimmen versehen worden. Erfreulich ist dabei, dass die gleiche Belegschaft wie in dem Original-Anime bei der Entwicklung von Psycho Pass: Mandatory Happyness beteiligt war, somit fühlt sich das Spiel wie ein weiteres Kapitel des interessanten Universums an.

Brisanten Momenten werden, obwohl die Story hauptsächlich in Form von Textpassagen vermittelt wird, dennoch kontinuierlich eine großartige Präsentation geschenkt – Auslöser dafür ist der grandiose Soundtrack, welcher bereits im Anime mit Gänsehaut-Feeling unterhalten konnte.

Abschließende Worte

In Anime-Form wäre Psycho Pass: Mandatory Happyness vermutlich noch besser aufgehoben gewesen, denn der Glanz der originellen Story und den interessanten Charakteren kommt durch die Umsetzung als Visual Novel zwar gut zur Geltung, lässt sich aber nicht wirklich als Videospiel deklarieren – dazu fehlen der Portierung einfach viel zu sehr gameplaytechnische Inhalte. So hat man zwar die Möglichkeit die Entscheidungen der beiden Protagonisten selbst zu treffen, muss sich aber mit Stunden des umständlichen Tastendrückens und Speicherstand-Wechselns auseinander setzen.

Eine Wiederkehr beliebter Charaktere und die Verwendung der Original-Synchronstimmen macht den Titel zu einem Pflichtspiel für Fans, besonders weil die Geschichte inhaltlich die Qualität der zweiten Staffel um ein Vielfaches überschattet.

– Mitreißende & interessante Story

– Authentische Charaktere

– Original-Synchronstimmen

– Kaum Gameplay selbst enthalten

– Ausschließlich in Bildern erzählt

– Oftmaliger Wiederspiel-Zwang

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Psycho-Pass-Spiel erscheint auch in Europa

Nachdem der visuelle Spielroman bereits im Jahre 2015 in Japan exklusiv für Xbox One erschienen ist, kommt das Spiel Psycho Pass: Mandatory Happiness hierzulande auch für PlayStation 4 und PlayStation Vita in den Handel. Dazu hat NIS America einen kurzen Trailer veröffentlicht, der die einzelnen Charaktere und den Inhalt des Spiels vorstellt. Psycho Pass: Mandatory Happiness erschient hierzulande am...