Farbe und Papier, was kann da schon schief gehen?

Seit 15 Jahren tummelt sich Mario nun schon in seiner Papierform in der Videospielwelt herum. Auch in der fünften Auskopplung der rundenbasierten RPG-Serie bedrohen böse Schurken die Faltwelt und so muss Mario wieder einmal ran, um alles wieder glatt zu bügeln. Entwickler Intelligent Systems und Nintendo haben sich diesmal wieder etwas Neues einfallen lassen und so kommt die Farbe zu Papier oder besser gesagt sie verschwindet plötzlich. Die Software erscheint exklusiv für die Nintendo Wii U und kommt dort auch richtig zur Geltung. Mario Fans aufgepasst, denn dieser Titel sorgt für ordentlichen Spaß!

Möge die Farbe mit ihm sein!

In einer stürmischen Nacht im Pilzkönigreich begeben sich Toad und Peach, in dicken Umhängen gekleidet, zu Marios Haus. In deren Tasche befindet sich eine Postkarte von den Prismainseln. Doch dies ist keine gewöhnliche Postkarte, denn sie entpuppt sich als zusammengefaltetes Stück Papier mit den Umrissen eines weiteren Toads. Dem Armen wurde die Farbe ausgesaugt und nur weiße Leere ist zurückgeblieben. So brechen die drei auf, um den mysteriösen Geschehnissen auf den Grund zu gehen.

Angekommen im Hafen von Port Prisma, dem Urlaubsort der Prismainseln, muss man sich erstmal einen Weg in die Stadt bahnen. Das Stadtzentrum ist komplett verlassen und überall befinden sich weiße Stellen, denen offensichtlich die Farbe gestohlen wurde. Bei genauerem Untersuchen des Brunnen stellt sich Farbio der Farbeimer vor. Er erklärt ihnen, dass die großen Farbsterne des Brunnens verschwunden sind und bittet Mario darum sie wiederzufinden. Nun geht es darum, den fiesen Dieben das Handwerk zu legen und die Farbe wieder an ihren rechtmäßigen Platz zurückzubringen.

Die Story scheint zu Spielbeginn recht simpel zu sein, entpuppt sich im späteren Verlauf aber doch als weitläufiger als erwartet. Man wundert sich auch, dass Bowser Peach nicht gleich nach dem Eintreffen in Port Prisma entführt, sodass sie Mario zumindest anfangs zur Seite steht und seine KP auffüllt.

Gameplay

Wie auch schon in früheren Auskopplungen der Paper Mario-Serie, steuert man den 2D Papier-Mario durch eine Überwelt, die aus verschiedenen Level aufgebaut ist. Diese folgen jedoch keiner wirklichen Reihenfolge und so kann es passieren, dass man zufällig ein Areal freischaltet, welches noch nicht spielbar ist. Level sind im Paper Mario-Universum dreidimensional und aus verschiedenen Abschnitten aufgebaut. Jede dieser Welten beinhaltet eine ganze Menge versteckter Abschnitte und Geheimgänge, sodass es immer eine gute Idee ist, alles genau zu untersuchen. Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass man ein Level auf mehrere verschiedene Arten beenden kann und es deshalb zu enormen Backtracking-Einlagen kommt, bei welchen man Abschnitte mehrmals spielen muss, um den richtigen Weg oder einen Schlüsselcharakter zu finden.

In jedem Level muss mindestens ein kleiner Farbstern gefunden werden, damit dieser abgeschlossen werden kann. Kleine Farbsterne färben Teile der Landkarte ein und machen so neue Bereiche zugänglich. Große Farbsterne (insgesamt 6), die vom Brunnen in Port Prismas Zentrum entwendet wurden, erhält man nach Abschluss eines Endbosses. Auf der Weltkarte wird ein noch nicht abgeschlossenes Level als roter Punkt, ein abgeschlossenes Level, in dem sich noch ein weiterer Farbstern befindet, als gelber Punkt und ein komplett abgeschlossenes Level als blauer Punkt dargestellt. Neben den regulären Level finden sich auch sogenannte Schnick-Schnack-Schnuck Arenen auf der Karte. Hier muss Mario in drei Runden gegen Schergen Stein-Schere-Papier spielen, wobei am Ende Münzen und Kampfkarten als Preis winken.

Das Kampfsystem ist ähnlich wie beim Vorgänger, Paper Mario Sticker Star, aufgebaut. Trifft man im Level auf einen Gegner, kann der Kampf durch einfaches Berühren, Anspringen oder einen Hammerschlag gestartet werden. Letztere führen dazu, dass der Gegner schon bei Kampfstart Schaden nimmt. Rundenbasierend wechseln sich die Angriffe von Mario und seinen Widersachern ab. Damit Mario einen Angriff ausübt, muss zuerst eine sogenannte Kampfkarte ausgewählt werden. Kampfkarten sind in unterschiedliche Aktionen unterteilt (zB.: Hammerschlag oder Sprung), können als einzel-, zweifach-, dreifach oder 5-fach-Angriff ausgeführt werden und existieren in verschiedenen Stärken. Hat man all seine Karten aufgebraucht, kann im Kampfrad durch Tausch gegen 10 Goldmünzen eine zufällige Karte erworben werden. Diese gliedern sich in Standardkarten wie Angriffe, Schergenkarten und Dingskarten. Schergenkarten rufen Gegner herbei, die Mario im Kampf aushelfen (oder manchmal einfach abhauen) wobei Dingskarten Gegenstände wie einen Feuerlöscher oder eine Zitrone aktivieren und sich an Schlüsselorten anwenden lassen. Farblose oder bereits eingefärbte Standardkarten können in Port Prisma gegen Goldmünzen erworben werden.

Nachdem eine Karte gewählt wurde, muss diese, sofern sie farblos ist, eingefärbt werden. Je nachdem wieviel Farbe man investiert, wird der Angriff stärker. Als Nächstes wird die farbige Karte mit einer kleinen Handbewegung am Touchscreen des Wii U-Gamepads in den Kampf geschickt – dann muss nur noch der Angriff ausgeführt werden. Wie für Paper Mario üblich, erfordert dies gutes Timing, denn drückt man den A-Knopf im richtigen Moment, werden Attacken wiederholt oder stärker angewendet und somit mehrere Gegner mit wenigen Schlägen besiegt. Selbiges gilt für das Blocken; drückt man zu früh oder zu spät werden gegnerische Angriffe nicht erfolgreich abgewehrt. Die Auswahl der richtigen Karte, das Einfärben, in den Kampf schicken und Angreifen der Gegner wird durch das komplexe System etwas in die Länge gezogen und wird so spätestens nach dem 50sten Mal etwas anstrengend.  Vor allem das “In den Kampf schicken” einer Karte ist etwas nutzlos und verlängert ein Gefecht nur unnötig. Am Ende des Kampfes erhält man Goldmünzen, Farbe und Hammerpappe, kleine Papp-Hammer welche gesammelt werden müssen, um den Farbhammer upzugraden. Der Farbhammer ist das wichtigste Utensil in Paper Mario Color Splash, denn überall befinden sich farblose Flecken welche Mario mit Hilfe dieses Hammers wieder einfärben kann. Er erhält dafür Goldmünzen und gelegentlich auch eine Kampfkarte.

Die Suche nach farblosen Flecken gestaltet sich als sehr gut ausbalanciert – manche dieser sind einfach, manche kniffliger zu finden. Marios Farbkontingent ist allerdings begrenzt, sodass er dieses durch das Besiegen von Gegnern und Hammerschläge auf Objekte in der Umgebung sammeln kann. Ein weiteres wichtiges Feature, welches besonders bei versperrten Wegen zum Einsatz kommt, ist das Ausschneiden vereinzelter Teile der Papierwelt, um alternative Routen zu öffnen. Manchmal muss eine bestimmte Kampfkarte in ein ausgeschnittenes Loch platziert werden, um einen Event auszulösen, das dann wiederum einen weiteren Weg offenbart. An vereinzelten Stellen im Spiel muss man auch Entfaltungsblöcke finden, mit dessen Hilfe Mario beispielsweise Brücken über Abgründe erzeugen kann.

Auch in diesem Abenteuer darf der Sammelspass natürlich nicht fehlen. Im Prisma Museum können Kampfkarten gespendet und so dessen Sammlung erweitert werden. Durch das Einfärben der Level schaltet man neue Soundtracks in der Audiothek frei und je mehr Karten man spendet, desto mehr Gemälde finden ihren Weg in die Gemäldegalerie. Ebenfalls angelehnt an den Vorgänger Paper Mario Sticker Star befinden sich rund um den Brunnen in Port Prisma verschiedenste Fahnen, welche ausgerollt werden sobald man ein bestimmtes Ziel erreicht hat.

Grafik

Optisch hat diese Software Einiges zu bieten. Das beginnt schon am Titelbildschirm: Während des Ladens bekommt man einen kleinen Ausschnitt der Faltwelt zu Gesicht, ist sie anfangs noch in simplem Sepia gehalten, wird sie nach und nach bunt (hier wechselt auch die Hintergrundmusik). Wartet man etwas mit dem Start des Spiels, erscheint Mario und später auch Toad und Peach. Ersterem kann man dabei zusehen wie er Münzen einsammelt, herumhüpft und farblose Flecken in der Umgebung mit seinem Farbhammer füllt. So gibt das Intro eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Features.

Auch der Rest des Spieles ist farbenfroh und positiv gestaltet. Die Überwelt ist dreidimensional, scheinbar aus Karton gefaltet – viele Details verstecken sich in den einzelnen Leveln und die flachen 2D-Papierprotagonisten sind bekannt liebevoll ausgearbeitet. Befindet man sich in einem Kampf, gleicht der Hintergrund überraschenderweise fast 1 zu 1 der Umgebung in der man sich gerade befindet und wechselt somit mit jedem Abschnitt innerhalb eines Levels.

Sound

Sound Supervisor für dieses Paper Mario-Projekt ist Koji Kondo. Er hat bereits viel Erfahrung mit dem Sounddesign unterschiedlichster Mario Spiele wie zum Beispiel Mario & Luigi Paper Jam Bros., Super Mario Maker oder Mario 3D World, ist aber auch für sein Mitwirken in der Legend of Zelda-Reihe bekannt. Dementsprechend gut ist der Soundtrack von Paper Mario Color Splashausgefallen. Jedes Level hat seinen eigenen musikalischen Charme erhalten, wobei bereits bekannte Klänge neu gemixt und mit einem frischen und vor allem fröhlichen Anstrich versehen wurden. Es macht Spaß die verschiedenen Level mit ihren großartigen Tracks zu erkunden und obwohl man durch das viele Backtracking manche Level mehrmals erforschen muss, wird die musikalische Hintergrund-Untermalung ganz und gar nicht langweilig – hier liegt Abwechslung im Fokus!

Abschliessende Worte

Paper Mario Color Splash ist eine gelungene Ergänzung der Paper Mario-Serie und macht Mario, dem Helden des Pitzkönigreichs, wieder alle Ehre. Die Story rund um das verschwinden der Farbe ist interessant und gewinnt auch noch im späteren Spielverlauf an Tiefe. Grafisch anspruchsvoll und vor allem die musikalische Untermalung ist äußerst gut gelungen. So gut, dass manche der Musikstücke auch Stunden später noch im Kopf herumschwirren und zum Mitsingen veranlassen. Etwas schade ist, dass kein Multiplayer inkludiert wurde, die Downloadgröße von über 8 GB ist ein ganz schöner Brummer und das viele Backtracking kann mit der Zeit die Geduld strapazieren. Zusammenfassend bietet diese Software einen guten Mix aus allem was man sich von einem Paper Mario-Spiel erwartet und so wird Paper Mario Color Splash auch mit voranschreitender Spielzeit nicht langweilig.

– Ausgesprochen guter Soundtrack

– Viele grafische Details

– Sich erweiternde Story

– Angenehm steigender Schwierigkeitsgrad

– Viele Geheimnisse zu entdecken

– Sehr viel Backtracking

– Großes Downloadvolumen

– Angriffe erfordern sehr gutes Timing

– Kampf-Prozedere etwas langatmig

Eure Meinung dazu?

Zwei kurze Videos zu Rescue V aus Super Mario: Color Splash

Im Rahmen von zwei kurzen Videos wird die Rettungsgruppe Rescue V, bestehend aus fünf unterschiedlich farbigen Toad-Ermittlern, in zwei kurzen Videoepisoden vorgestellt. Zu sehen sind unter anderem auch neue Gameplay-Elemente des Wii U-Spiels. Paper Mario Color Splash erscheint hierzulande am 7. Oktober 2016 exklusiv für Wii U. Quelle: Youtube...