Der Eine in die Zukunft, der Andere in die Vergangenheit!

Seit Jahren liefern sich Electronic Arts und Activision inklusive ihrer treuen, langjährigen Anhänger hiesige Diskussionen welche Shooter-Marke die bessere Unterhaltung, die realistischeren Gefechte und glaubwürdigsten Inhalte bietet. Während dem nun Jahre lang die Gegenwart als etablierte Zeitepoche die Aufmerksamkeit der Gamer genoss, wechselten die beiden Publisher-Giganten die Thematik, jeweils in unterschiedliche Richtungen; Entwickler DICE blickte in die Vergangenheit, um Inhalte aus dem 1. Weltkrieg auszugraben, wogegen sich die Spieleschmiede Infinity Ward auf futuristische Gefechte konzentrierte.

Die namenlosen Helden des 1. Weltkriegs

In den Jahren 1914-1918 hatten Menschen einen ausgesprochen romantischen Eindruck vom Krieg. Erzählungen von heroischen Schlachten und Helden, die mit glänzender Rüstung und befederten Hüten in die Schlacht zogen, um dem Gegner in die Augen blickend im Gefecht zu sterben, waren Auslöser für diese Einstellung. Spätestens als die ersten aufpolierten Rüstungen von russischen Scharfschützen durchlöchert und die Senfgas-Opfer aus den Schützengräben die Feldlager überhäuften wurde klar, dass Kriege absolut keine romantischen und erst recht keine heldenhaften Seiten besitzen. Unabhängig davon erzählt Battlefield 1 aus der Sicht von Soldaten fünf unterschiedlicher Fronten und wie sie in einzelnen Schlachten mehr oder weniger das Glück hatten auf der Siegerseite zu sein. Es handelt sich dabei eigentlich um ein umfangreiches Tutorial, indem die Bedienung neu eingeführter Gerätschaften wie den Flugzeugen und Panzern näher gebracht wird. Die Kampagne besitzt drei Schwierigkeitsgrade und wird Gamer je nach Geschick 8-10 Stunden beanspruchen.

In der Kampagne begleitet man beispielsweise die Truppe des Panzers Black Bess dabei, wie diese Geschichte machte, indem sie die gegnerischen Fronten durchbrach. Oder man erlebt wie Clyde Blackburn und sein Flieger die deutschen Versorgungslager zerbombten. Etwas enttäuschend an der Stelle ist, dass der Held der Ottomanen-Mission nach einem Mann benannt wurde, obwohl die eigentliche Hauptrolle eine Dame darstellt und sie den Großteil der Geschehnisse in den Missionen übernimmt.

Gameplay

Battlefield 1 ist geprägt von riesigen Maps und somit besitzen Gamer dementsprechend großen Freiraum sich auszutoben beziehungsweise Ziele im Storymodus auf unterschiedliche Art und Weise zu erreichen. Nahezu jede Mission kann verdeckt und ohne Aufmerksamkeit zu erregen absolviert werden. Passend dazu befinden sich zahlreiche feindliche Waffenlager auf den einzelnen Karten verstreut, welche mit Items, Waffen und Collectibles gefüllt sind. Zusätzlich gibt es in jeder Mission spezielle Nebenaufgaben zu erfüllen, sodass man einen bereits absolvierten Storystrang gerne noch einmal wiederholt.

Battlefield 1 fängt die positive Stimmung der 1. Weltkriegsgefechte hervorragend ein und macht die Anwesenheit auf dem virtuellen Schlachtfeld zu einem beeindruckenden Erlebnis.

Eine großartige Neuerung ist es Gegner durch das Drücken des R1-Knopfes zu markieren. Im Storymodus werden dadurch auch entfernte feindliche Soldaten dauerhaft markiert, wogegen im Multiplayer kurzfristig deren Position für andere Spieler enthüllt wird. Dieses Enthüllen und die Möglichkeit gehockt oder liegend durch die Areale voranzuschreiten erinnert ein wenig an Metal Gear Solid 5: Phantom Pain, aber Battlefield 1 bleibt sich an dieser Stelle dennoch als Shooter treu. Durch das Hinzufügen von Pferden, hat man endlich eine Vierbeiner-Alternative, um größere Distanzen hinter sich zu legen und nicht auf Panzer oder Autos zurückgreifen zu müssen. Natürlich ist man selbst in dieser Position nicht unbewaffnet, denn das Säbelschwingen während dem Reiten ist eine gekonnte Technik, um Gegner selbst während einem Fluchtversuch niederzumetzeln.

Passend zu den Bajonett-Waffen gestaltet sich der Nahkampfangriff bei einem Lauf auch ein wenig anders; die Messerseite des Schießeisens ist zum Gegner gerichtet, wobei der Stich, m Gebrüll und ein nicht unterbrechbarer Sprint diesem bei erfolgreichen Treffen das Leben kostet. Taktisch versierte Spieler agieren verdeckter und werfen im Storymodus Patronenhülsen durch das Drücken des Touchpads, um Gegner von Truppenversammlungen wegzulocken und so einzeln ausschalten zu können.

Das gesamte Menü-Interface ist gemeinsam mit den direkten Vorgängern Battlefield 4 und Battlefield: Hardline geändert worden. Auf Knopfdruck sieht man den Fortschritt in den vorherigen Titeln und und kann Errungenschaften in wenigen Sekunden ausfindig machen. Zwar ist der Storymodus vom Mehrspielermodus komplett getrennt, dennoch sind viele sammelbaren Daten und Fakten über den 1. Weltkrieg ausschließlich in den jeweiligen Modi zu erhalten.

Multiplayer

Gelegentlich fallen die dezenten Unterschiede zwischen der Spielegrafik und der Qualität der Filmsequenzen auf, beide befinden sich aber auf einem, für Shooter der bisherigen Generation, ungewohnt hohen Niveau.

Neben den typischen Mehrspielermodi wie Team Deathmatch und Capture the Flag wurde Battlefield 1 mit vier speziellen Szenarien ausgestattet. Jedes Szenario besteht aus einem gigantischen Level, welches in mehrere Etappen unterteilt ist und dementsprechend von zwei Teams erobert beziehungsweise verteidigt werden muss. Abhängig davon wie gut sich das offensive Team anstellt, gibt es sogar eine Fortsetzung des Gefechts auf einer weiteren Karte. Im Falle eines Verlustes, kriegt man dafür Unterstützung in Form von Kriegszeppelinen oder Kriegszügen. Werden diese optimal angewendet, sind diese mitunter so stark, dass sie den Ausgang eines Gefechtes komplett ändern können.

Durch das Generieren der Punkte anhand von Kills steigt man laufend im Level und schaltet abhängig von der Klasse auch neue Ränge und somit neue Waffen frei. Blöderweise ist der Klassenrang ausschließlich in einem Untermenü bei der Waffenauswahl zu sehen, sodass man nur sehr umständlich sehen kann, wieviele Punkte man noch zum nächsten Ranganstieg benötigt. Mit jedem Levelanstieg erhält man Geld mit dem die freigespielten Schießeisen gekauft werden können. Per Zufall erhält man zudem am Ende einer Runde Battlepacks, die den Spieler mit neuen Waffenskins belohnen. Für jede spezielle Tätigkeit und für vereinzelte Gruppenerfolge wird man mit Medaillen belohnt. Damit man auch auf längere Sicht einen Grund hat sich mit den Gefechten in Battlefield 1 auseinander zu setzen, gibt es alle sechs Tage neue Medaillen, die nur unter den vorgegebenen Voraussetzungen verdient werden können.

Im Rahmen sämtlicher Multiplayersessions spielen entweder 40 oder 60 Spieler zusammen. Überraschenderweise gab es während den Kämpfen überhaupt keine Lags oder Verzögerungen, sobald man sich allerdings im Menü befand, waren die Scoreboards und Gruppenergebnisse mit mehrmaligen längeren Verzögerungen verbunden.

Battlefield Companion

Damit Gamer auch unterwegs stets Up To Date mit den Daten ihrer Spielfigur und den Nachrichten bezüglich Battlefield 1 sind, gibt es für Android- und iPhones die Battlefield Companion-App. Mit dieser können Medaillen, Embleme und Errungenschaften des Spielers und sogar Waffen überprüft und für die Spielfigur ausgerüstet werden.

Grafik

Bereits in den ersten Spielminuten des Singleplayers fällt auf, dass in Battlefield 1 sehr viel Wert auf eine fotorealistische Optik gelegt wurde. Nicht nur, dass die Levels riesig sind und man somit anfangs sehr leicht die Übersicht über das gesamte Areal verliert, Entwickler DICE achtet auch auf kleine Details wie Flora und Fauna der Gebirgslevels, Sandstürme in den Wüstenarealen und die matschigen Schützengräben vereinzelter Schlachtfelder. Parallel dazu sehen die Areale fantastisch aus und können lediglich im Mehrspielermodus in Form von Glitches und hängen gebliebenen Körperteilen besiegter Gegner unterhalten. Gelegentlich fallen die dezenten Unterschiede zwischen der Spielegrafik und der Qualität der Filmsequenzen auf, beide befinden sich aber auf einem, für Shooter der bisherigen Generation, ungewohnt hohen Niveau.

Beachtlich ist dabei der erneut große Schritt in Richtung zerstörbarer Umgebung. Wenn man auf Battlefield 4 zurückblickt, dann kommen Erinnerungen von demolierbaren Häusern und Wänden zurück. Die Fortsetzung legt sogar noch um einen Zahn zu und vergrößert das Ausmaß der zerstörbaren Gebäude um ein Vielfaches. Somit gleicht ein Level bei einem Durchgang so gut wie nie dem vorherigen, weil einfach manche Häuser im Rahmen der Gefechte zerstört werden.

Sound

Battlefield 1 ist das erste Spiel, welches mit mehrsprachigen Synchronisationen ohne Umstellung der Konsolen-Spracheinstellungen auskommt. Obwohl meine PlayStation 4 auf englisch geschaltet ist, ertönten während der Missionen plötzlich deutsch sprechende Soldaten. Und die Synchronstimmen hörten sich wirklich gut an! Zu den fünf unterschiedlichen Kampagnen gesellen sich auch dementsprechend gleich viele Variationen des Soundtracks. Die Entwickler haben es dabei auf die Reihe gebracht die Haupttheme sowohl heroisch als auch malerisch verträumt klingen zu lassen. Die ruhigen Momente faszinieren dabei auf ihre eigene Art und Weise – besonders auffallend sind die Momente, in denen man nach einer erfolgreichen Schlacht in Taubenform über das von Gefechten übersäte Schlachtfeld schwebt um eine Nachricht ins Hauptquartier zu überbringen.

Abschließende Worte

Es ist ein beeindruckendes Gefühl sich im Dickicht eines Waldes zu befinden und plötzlich von einem Kampfzug überrascht zu werden. Oder wenn man sich als Scharfschütze in einem zweistöckigen Haus befindet und während einer Mission das gesamte Haus zusammenstürzt, weil ein gegnerischer Panzer das unterste Stockwerk zerstört hat. Battlefield 1 fängt die positive Stimmung der 1. Weltkriegsgefechte (abseits der ganzen Schattenseiten des Krieges) hervorragend ein und macht die Anwesenheit auf dem virtuellen Schlachtfeld zu einem beeindruckenden Erlebnis.

– Beeindruckende Grafik

– 5 unterschiedliche Kampagnen…

– In Etappen unterteilte Szenario-Kämpfe

– Zerstörbare Umgebung ist ein Wahnsinn!

– Unterschiedliche Sprachen gemixt

– Weibliche Protagonistin geht komplett unter

– … die eigentlich nur längere Tutorials sind

– Gelegentlich Lags in den Menüs

Eure Meinung dazu?