Das Comcept-Konzept: heuer zwei Blockbuster

Keiji Inafune, seines Zeichens Gründer der Spieleschmiede Comcept, dürfte dieses Jahr ordentlich viel zu tun gehabt haben. Nicht nur, dass Mighty No. 9, sein via Kickstarter finanziertes Projekt, endlich das Licht der Welt erblickte, er machte sogar einen für japanische Videospielentwickler ausgesprochen ungewöhnlichen Zug; er entwarf ein Xbox One-exklusives Videospiel. Dazu schloss er sich mit den texanischen Videogame-Designern von Armature Studio zusammen und präsentiert heute eine komplett neue IP für die Microsoft-Konsole, die sogar das Vergnügen hat als erstes Spiel von der Cross Buy-Funktion Verwendung zu machen; ein Kauf auf der Xbox One schaltet das Spiel somit auch auf einem Windows 10-Rechner frei, wenn man sich mit dem gleichen Microsoft-Konto anmeldet.

Auf einem Planeten weit weg von unserer Erde…

Rein technisch betrachtet kämpft ReCore an manchen Stellen zu sehr mit sich selbst.

Gigantische Sandstürme haben für die Zerstörung der Erde gesorgt wobei lediglich eine Handvoll Amerikaner in der Lage dazu waren den nächstgelegenen Planeten Far Eden zu erreichen, um diesen als nächste Heimat zu erobern. Da der unbevölkerte Planet jedoch noch nicht ganz den Idealbedingungen der Menschen entsprach, mussten spezielle Terraforming-Prozesse vorgenommen werden, um den Sandplaneten halbwegs belebbar zu machen. Diese technologische Errungenschaft der Weltenveränderung funktioniert trotz der fortschrittlichen Wissenschaft leider nicht von heute auf morgen, daher wird das gesamte Forschungs- und Technikteam in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt, welcher zu dem Zeitpunkt enden sollte, an dem der Planet vollständig umgeformt wurde. Nur in Notfällen, in denen Eingriffe im weiteren Fortschritt vorgenommen werden müssen, sollte Adam Joule, ihres Zeichens Terraforming-Ingeneurin, ihre Augen öffnen und mit ihrem Wissen zur Hilfe eilen. Und das tut sie auch. Nur leider 300 Jahre nach einem fatalen Zwischenfall, der die Arbeiterroboter, welche an dem Weltveränderungsprozess werkeln, sich gegen ihre Erschaffer wenden lässt. Vollständig auf sich gestellt, in einer ihr unbekannten Welt, muss sie die Geschehnisse der vergangenen Jahrhunderte aufdecken und das Geheimnis der mehr oder weniger verloren gegangenen Menschheit lüften.

Im Rahmen der ersten paar Spielminuten trifft die junge Technikerin auf einen freundlich gesinnten Hunde-Roboter namens Mack, der sie im Laufe des Abenteuers mit seiner Spürnase und lautem Gebell unterstützen soll. Der animalische Cyborg-Support wird in späterer Folge durch Seth einer schüchternen Spinne sowie Duncan einem aufbrausenden Gorilla erweitert – jeder mit spezifischen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Die Geschichte ReCore gliedert sich in drei größere, erkundbare Bereiche, wobei die Protagonistin neben einem Bösewicht auch auf einen anderen Überlebende trifft und über deren Anwesenheit Joule in keinster Weise überrascht oder erfreut zu sein scheint (nach knapp 300 Jahren Tiefschlaf!). Man tut sich generell schwer mit der jungen Dame mit zu fühlen, da man ihr abseits ihrer Konversationen mit den tierischen Robotern kaum Emotionen oder Gestikulationen entlocken kann. Das Spiel lebt somit von seinen Erkundungstrips, den Geschicklichkeitsparcours, den Gefechten gegen feindlich gesinnte CoreBots und den (bis zu drei Minuten) langen Ladezeiten.

Gameplay

Obwohl Joule die Protagonistin von ReCore ist, besitzen die tierischen Roboternebenrollen einen ebenso wichtigen wenn nicht sogar den essentiellen Stellenwert in dem Action Adventure. Man steuert zwar durchgehend die weibliche Terraforming-Technikerin und verbringt die meiste Zeit damit feindlichen Geschossen auszuweichen, kann seine Roboter-Begleitung aber durch das Drücken der Y-Taste zu einem verheerenden Angriff befehligen. Sie kann dabei stets nur zwei der drei Begleiter mit sich führen, sodass man sich in dem ordentlich sperrigen Hauptquartier gut überlegen muss, welchen Unterstützer man mit sich führt. Diese besitzen nicht nur die Fähigkeit im Terrain unterschiedlich zu agieren (Mack kann verbuddelte Items im Boden ausgraben, Seth klettert magnetische Bahnen empor und nimmt Joule laufend mit und Duncan ist in der Lage riesige Mechanismen zu aktivieren), sie besitzen auch Vor- und Nachteile bestimmten Gegnern gegenüber. Durch das Besiegen von feindlich gesinnten Robotern sammelt man farblich variierende Kristalle, Bauteile für neue Exoskelette und Erfahrungspunkte.

Man tut sich generell schwer mit der jungen Dame mit zu fühlen, da man ihr abseits ihrer Konversationen mit den tierischen Robotern kaum Emotionen oder Gestikulationen entlocken kann.

Sämtliche der mechanischen Begleiter besitzen einen Energiekern, deren Statuswerte mit Hilfe der Kristalle verbessert werden können. Quer verstreut im gesamten Sand-Areal befinden sich manchmal besser, manchmal so gut wie kaum versteckte Truhen, die spezielle Blaupausen von stärkeren und ausgefalleneren Roboter-Körperteilen beinhalten, welche die eigenen Begleiter stärker machen können. Im Gefecht gegen einen der feindlichen CoreBots können diese entweder mittels unterschiedlich farblicher Geschosse, die über das Steuerkreuz ausgewählt werden müssen, gänzlich zerstört oder deren Energiekern gestohlen werden – sie überleben dabei keine der beiden Prozeduren. Da man im Laufe des gesamten Abenteuers Unmengen an Energiekernen und Bauteilen benötigt, verkommt ReCore stellenweise zu einem richtig monotonen Spiel, bei dem man beabsichtigt auf Roboter-Jagd geht, um neue Utensilien zu sammeln. Jedes Bauteil existiert dabei in einer Bronze-, Silber- und Gold-Ausführung, wobei ein Silberstück durch das Kombinieren von drei Bronzestücken entsteht und ein Goldstück durch die Kombination von drei Silberstücken.

Besonders im letzten Drittel des Spiels steigt der Schwierigkeitsgrad immens, wodurch man noch mehr Gegner blindlings töten und Bauteile aufsammeln muss. Versucht man sich im Gefecht gegen ein größeres Rudel stärkerer Gegner, merkt man ziemlich schnell, dass man nach wenigen Sekunden den Kürzeren zieht und sieht sich wieder mit sehr langen Ladezeiten konfrontiert. Dabei wurden die Gefechte recht simpel gehalten; Man beschießt die Gegner mit den gleichen farbigen Geschossen wie deren Aura, extrahiert entweder ihren Energiekern oder zerstört sie komplett und sammelt die zurück bleibenden Bauteile auf. Leider erweist sich dieses Vorhaben als schweres Unterfangen, wenn man sich mehreren Gegnern höheren Levels gegenüber steht.

Ab einer bestimmten Stelle im Spiel trifft man auf einen kleinen Minion-ähnlichen Roboter namens Violet, der Joule zum Teleportieren in der Wüstenlandschaft verhilft. Das ist insofern sonderbar, da sich die Protagonistin eigentlich von jedem Punkt aus via Knopfdruck direkt zu ihrer Basis zurück befördern kann und dort dank dem kleinen quirligen Roboter anschließend Zugriff auf sämtliche, fast schon willkürlich verteilten Teleporter-Punkte auf der Karte erhält – da hätte man sich eigentlich gleich direkt zu den gewünschten Locations beamen können, ohne einen Zwischenstopp im Hauptquartier machen zu müssen. Da man aber nur ein stark begrenztes Inventar zur Verfügung stehen hat und sämtliche Items in der eigenen Basis abgeladen und gehortet werden können, erweist sich der kurze Abstecher in die eigenen vier Wände gelegentlich als ausgesprochen praktisch.

Grafik

Mack, Seth und Duncan sind verspielte Charaktere, deren animalisches Verhalten in den stillen Minuten des Action-Abenteuers hervorragend zur Geltung kommt. ReCore lebt von der Beziehung zwischen Joule und deren tierischen Begleitern. Legt man den Controller kurz zur Seite, sieht man wie sich Mack beispielsweise wie ein kleiner Hund zusammen rollt oder Seth spaßhalber vor Joule salutiert – diese kleinen versteckten Charakterzüge machen sich laufend in der Story bemerkbar und verpassen dem Spiel einen freundlicheren Charme.

Die Gebirgslandschaft des Wüstenplaneten ist anfangs sehr stark eingegrenzt, erweitert sich aber im Laufe der Geschichte durch Sandstürme und der Möglichkeit neue Locations anhand neu gewonnener Fähigkeiten zu erkunden. Im Großen und Ganzen kann man allerdings behaupten, dass das Hauptaugenmerk des Spiels offensichtlich auf die Dungeons und Höhlen gelegt wurde. Diese wurden im Gegensatz zu den überirdischen Schauplätzen wohl designt und strotzen förmlich vor Abwechslung. Intelligentes und abwechslungsreiches Design sorgen dafür, dass das Auge nie gelangweilt wird – lediglich das geringe Ausmaß des relativ kurzen Spiels sorgt für einen bitteren Beigeschmack.

Rein technisch betrachtet kämpft ReCore an manchen Stellen zu sehr mit sich selbst. Unvorteilhafte Kamerabewegungen beim Entreißen der gegnerischen Energiekerne sorgen dafür, dass man bei dem kleinen Minispiel (der Greifhaken zwischen Joule und Roboter wechselt seine Farbe zwischen rot und schwarz und signalisiert somit wann man ziehen soll) oftmals nicht sieht wie man zu agieren hat. Unsaubere Grafikfehler wie Glitches oder sich unnatürlich bewegende Roboter, die sich der Spielfigur zwar nähern, aber deren Animationen stecken geblieben sind waren nur einige der Lowlights des Spiels.

Sound

Mal dramatisch, mal mysteriös – so gestaltet sich der Soundtrack von ReCore und bildet damit eine der besten Komponenten des Xbox One-exklusiven Titels. Die Actionszenen sind gefüllt mit den Geräuschen der Explosionen, welche die sterbenden Roboter von sich geben, oder dem mechanischen Knattern von Joules Blaster. Die Synchronstimmen von Joule und Adam, welcher gelegentlich von den Zuständen vor dem Erwachen der Protagonistin erzählt, sind hervorragend, selbst wenn viele der aufsammelbaren Soundnotizen noch zu hören sind, wenn man sie zufällig vor einer Filmsequenz gestartet hat. Dann überlappen sich die Stimmen und es kommt zu einem unschönen Konversations-Gemisch. Ebenso sonderbar ist auch, die Kürze der Soundtracks bei den Ladezeiten. Die Wartezeiten sind stellenweise nämlich so lang, dass die dafür vorgesehenen Töne bereits längst verstummt sind ehe man sich wieder im Spielgeschehen befindet.

Abschließende Worte

Der kurze Ausschnitt von ReCore konnte uns vor wenigen Wochen auf der GamesCom in Köln noch richtig begeistern (unseren Eindruck könnt ihr hier nachlesen), die Kürze des Spiels und die dennoch langen Ladezeiten gepaart mit der schwachen Story und dem mittelmäßigen Gameplay sorgen jedoch dafür, dass das Xbox One-exklusive Spiel zu einem unterdurchschnittlichen Titel verkommt. Das ist irrsinnig schade, denn das Abenteuer von Joule und ihren animalischen Roboter-Kollegen würde wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen. Dies ist aber durch die derzeitigen Begrenzungen einfach nicht möglich ist.

– Gelegentlich forderndes Gameplay

– Interessantes Energiekern-Spielsystem

– Stellenweise richtig gute Grafik

– Gelungene Synchronstimmen

– Sauber designte Dungeons

– Sehr lange Ladezeiten

– Eine sehr vage dargestellte Protagonistin

– Fragwürdiges Teleportationssystem

– Zahlreiche Glitches

– Gegen Ende sehr viel Grinding notwendig

– Die Wüstenlandschaften sind unspektakulär

– Gelegentlich Probleme mit der Kamera

Eure Meinung dazu?

15 Minuten Gameplay zu ReCore erschienen

Microsoft veröffentlicht gemeinsam mit Comcept und Armature Studios ein neues Video zu dem Xbox One-exklusiven Abenteuer ReCore. Dieses beinhaltet knapp 15 Minuten Gameplay zu der, auf dem Erd-ähnlichen Planeten gelandeten, Protagonistin. ReCore erscheint hierzulande am 16. September 2016 exklusiv für Xbox One im Handel. Quelle: Youtube...

Recore – Hands On

Kommen kreative Köpfe zusammen, entstehen gute Spiele! Wenn Joseph Staten, ein bekannter amerikanischer Storyschreiber, zusammen mit Keiji Inafune, dem Erschaffer der Mega Man-Reihe, ein Spiel entwickelt, kann nur etwas Gutes dabei herauskommen. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft ist ReCore, ein Xbox One-exklusives Spie, das in wenigen Wochen auch hierzulande in den Handel kommt und eine harmonische Zusammenarbeit zwischen...

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