Verspätet, aber doch!

Manchmal werden Träume doch wahr: Nach drei Jahren Ungewissheit, Hoffen und Bangen bringen Nintendo und Square Enix Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit doch noch nach Europa und versprechen nicht nur ein solides jRPG für Nintendos 3DS-System, sondern auch noch deutliche Verbesserungen gegenüber dem PlayStation 1-Originalspiel aus dem Jahre 2000.

Von Fischersöhnen und Insel-Prinzen

Wie es nicht anders sein könnte, beginnt die Geschichte abermals mit dem stummen Protagonisten, dem Sohn eines Fischer, welcher durch seinen besten Freund Kiefer, dem Prinzen der Insel Estard und vorherrschendem Troublemaker und Sorgenkind des Königs, öfters dazu genötigt wird Schabernack zu treiben. Als beide gemeinsam eines Tages die örtliche Ruine genauer untersuchen, stoßen sie auf einen Hinweis, der sie hinterfragen lässt, ob ihre Heimatinsel wirklich der einzige Kontinent auf dem Globus ist.

jRPG-kundige Spieler dürfen sich auf einen sehr interessanten Mischmasch aus dem hauseigenen Chrono Trigger, Terranigma und Nintendos The Legend of Zelda: The Wind Waker freuen, in welchem der Spieler mit der Wiederherstellung des Planeten samt eines Zeitreiseabenteuers konfrontiert wird und dieses den Spieler dabei gut 60 Stunden lang an das Handheld fesseln möchte. Sollte dies dem nimmersatten Spieler nicht Genüge sein, so können auch noch unzählige Nebenaufgaben und Quests abgeschlossen werden, die ein wenig mehr über die Welt und die Charaktere erzählen. Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit ist ein sehr großes jRPG-Spiel der alten Schule und wenn nicht gleich das größte Dragon Quest-Spiel seiner Art. Zwar kann es nicht mit Falcoms The Legend of Heroes-Saga in Sachen Erzähltiefe und Textmenge konkurrieren, aber dies muss es auch nicht. Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit lädt dazu ein, eine große Spielewelt mit interessanten Handlungssträngen und Charakteren zu entdecken, welche den Spieler durchgehend bei Laune hält.

Gameplay

Kennt man eines der Dragon Quest-Spiele der Hauptreihe, dann kennt man sie ‘praktisch’ alle. Das ist wahrscheinlich die ehrlichste Aussage, die man als Spieler der älteren Teile über Japans populärste jRPG-Reihe machen kann, weil sich am Kampfsystem im Vergleich zu seinen Vorgängern eigentlich grundsätzlich nichts verändert hat und man sich noch immer ein Stelldichein, im Rahmen von rundenbasierten Kämpfen, mit bekannten Monstern der Vorgängerteile gibt.

Zudem hat sich auch beim Spieleablauf nicht allzu viel geändert: Die Gruppe reist linear von Punkt A zu Punkt B, erfüllt Aufgaben und verkloppt zwischendurch jedes Slime, das einem über den Weg läuft. Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit galt bei seiner Erstveröffentlichung als ein unglaublich langes Spiel, welches sich mit unmenschlichen Ladezeiten über Stunden gestreckt hat, so dass das Abenteuer nicht unter +120 Stunden beendet werden konnte. Zum Glück hat Square Enix genug Zeit und Geld in dieses Remake investiert, so dass sich der Spieler nun über sichtbare (und vor allem ausweichbare) Gegnerbegegnungen, einem drastisch kürzeren Prolog und ein paar weniger nervenaufreibenden Puzzles freuen darf, bis das Abenteuer so richtig in Schwung kommt. Ebenfalls neu dabei sind ein Splitter-Radar und eine Übersichtskarte, die optimal auf die Fähigkeiten des Nintendo 3DS zugeschnitten wurden und dabei dem Spieler helfen den Verlauf möglichst frustfrei genießen zu können. Auch der Schwierigkeitsgrad wurde, im Vergleich zum Original, deutlich entschärft, so dass selbst blutige Anfänger das Spiel ohne dem bewährten Dragon Quest-Grind möglichst komfortabel genießen können.

Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit ist ein sehr großes jRPG-Spiel der alten Schule und wenn nicht gleich das größte Dragon Quest-Spiel seiner Art.

Das Jobklassensystem bekam auch einen kleinen und feinen Neuanstrich, so dass die gewählten Jobs der Helden nun deutlicher unterteilbar sind. Wie es heutzutage bei vielen jRPGs üblich ist, werden die unterschiedlichen Jobstufen durch Kämpfe hochgelevelt, bieten jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen gegen bestimmte Gegner und schalten bei häufiger Nutzung auch neue spielbare Jobklassen für die bis zu maximal acht Helden frei. Fans der hauseigenen Bravely-Reihe dürften sich hier gleich zuhause fühlen, sollten aber im Hinterkopf behalten, dass dieses System weitaus simpler gehalten wurde, als bei Tiz, Agnès and ihren Freunden. Negativ anzusehen wäre bei dem Port das serientypische Item-System, wobei der Spieler nur eingeschränkt Platz für seine Gegenstände zur Verfügung stehen hat. Zwar wird es mit zunehmender Spieledauer besser, jedoch merkt man es Dragon Quest VII zu oft an, dass es sich dabei um eine Produktion aus dem Anfang des aktuellen Jahrhunderts handelt und diese aus heutiger Sicht einfach keine gute Figur mehr macht.

Grafik

Grafisch macht das Remake auf dem Nintendo 3DS einen tollen Eindruck und Toriyamas Stil (bekannt geworden durch Mangas wie Dragon Ball oder Dr. Slump) ist unverändert leicht einprägbar. Technisch gibt es jedoch einige kleine Dinge zu bemängeln, wie gelegentliche kleinere Ruckler mit oder gar ohne 3D-Effekt oder Slowdowns wenn es besonders rechenintensiv wird.

Im Großen und Ganzen stellt Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit aber ein solides Spiel für den Nintendo 3DS dar.

Sound

Auch bei der tragbaren Portierung war der inzwischen 85-jährige Komponist Koichi Sugiyama wieder dabei. Die Nintendo 3DS-Version glänzt diesmals mit einigen Live-Einspielungen des Tokyo Metropolitan Symphony Orchestras, so dass unsere Ohren bei diesem Remake mit realer Musik verwöhnt werden. Neben bekannten und neuen Melodien fehlt auch diesmal wieder eine Sprachausgabe im Spiel. Die Geschichte wird in bester jRPG-Tradition über Textboxen erzählt.

Abschließende Worte

Was kann man über Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit sagen, was man nicht bereits über vorherige Ableger geschrieben hat? Im Prinzip ist es immer das gleiche Spiel mit einem ähnlichen Kampfsystem und einer komplett neuen Geschichte. Ähnlich, wie bei Mega Man oder Ace Attorney lassen wir uns gerne von dem Zauber solcher Spiele verführen, in der Hoffnung, dass es sich um solide Titel handelt.

Aber ob Dragon Quest jemals das Equivalent zu anderen Größen im europäischen jRPG-Sektor werden wird, bleibt weiterhin fraglich. Während die Fans in Japan bereits um Mitternacht Schlange stehen, um jeden neuen Titel spielen zu dürfen, so straucheln die europäischen Verkaufszahlen nach all den Jahren und Bemühungen seitens Nintendo doch noch immer hinterher. Nichtsdestotrotz ist es ein solides und langes jRPG für Nintendos kleiner 3D-Pocket Station und darf in keiner gut sortierte jRPG-Sammlung fehlen. Es macht Spaß – und das ist das Einzige, was am Ende zählt.

– Gutes Remake mit solider Story…

– Grafisch/Musikalisch gut..

– Gutes, simples Kampfsystem

– Lange Spielzeit!

– … aber man sollte sich nicht zu viel erwarten

– … aber stellenweise sanfte Ruckler

Eure Meinung dazu?

Übersichtstrailer zu Dragon Quest VII erschienen

Nintendo veröffentlicht gemeinsam mit Square Enix auf dem offiziellen Youtube-Kanal einen neuen Trailer zu dem kommenden portablen Rollenspiel Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit für Nintendo 3DS. In diesem werden die neuesten Funktionen der überarbeiteten Version näher gebracht. Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit ist am 26. August 2000 für PlayStation in Japan erschienen und kommt...