Ein neuer Actionshooter. Dieses Mal ganz ohne Resident Evil!

Seitdem Resident Evil 4 im Jahre 2005 auf dem Gamecube erschienen ist, hat sich das Image der beliebten Survival Horror-Marke immer mehr in das eines Actionshooters verwandelt. Der japanische Entwickler- und Publisherriese Capcom scheint mit jedem Teil neue Elemente in die einzelnen Hauptableger zu fügen, in der Hoffnung dem Massenmarkt und den Wünschen der Fans gerecht zu werden. Nach dem katastrophalen sechsten Teil und dem Start einer Spin Off-Reihe namens Resident Evil: Operation Racoon City versucht das Unternehmen nun Action vom klassischen Survival Horror zu trennen. Der neueste Abzweiger der Reihe hört auf den Namen Umbrella Corps. und versucht gänzlich ohne Story, dafür aber mit reiner Actionpracht und bekannten Spielelementen aus der Resident Evil-Reihe zu punkten.

Du bist ein Agent der Umbrella Corporation. Kämpfe!

Was Capcom hier geliefert hat, ist sein Geld aufgrund des mageren Inhalts nicht wert und allen voran selbst von den bisherigen Tiefgängen der Reihe qualitativ weit entfernt.

Die Titelzeile beschreibt die Geschichte von Umbrella Corps. im Grunde genommen schon mehr als ausreichend; der Spieler schlüpft in die Rolle eines Söldners und versucht im Kampf gegen andere Söldner Daten und DNA-Proben zu ergattern. Besucht werden dabei Orte aus früheren Ablegern der Resident Evil-Reihe, am bekanntesten das Bauerndorf aus Resident Evil 4 und der Dorfplatz in Kijuju aus Resident Evil 5. Es ist dabei verständlich, dass ein Mehrspieler-orientierter Shooter kaum eine Notwendigkeit für eine Story besitzt, dennoch wäre es interessant gewesen auf bekannte Gegner oder Schlüsselszenen der beliebten Spielreihe zu treffen. So gesehen ist der Umfang der Handlung und die Atmosphäre sogar mangelhafter, als dies beim indirekten Vorgänger Resident Evil: Operation Raccoon der Fall war.

Das Spiel besitzt auch einen Einzelspieler-Modus, welcher lediglich aus einzelnen Levels des Mehrspieler-Parts besteht. Anfangs sammelt man DNA-Proben getöteter Zombies, welche bei einem simplen Nahkampfangriff wie Strohhalme im Sturm umfallen, und in späterer Folge sogar Aktenkoffer. Es ist kein Wunder, dass selbst das 20-fache Wiederholen dieser Levels auf die Dauer einfach nur langweilig wird.

Gameplay

Umbrella Corps. versucht auf dem Schlachtfeld und im Action-Genre aufzublühen und kombiniert daher zwei mehr oder weniger bombensichere Gameplay-Erfolgsrezepte. Man steuert die Spielfigur dabei in einer klobigen Third Person-Perspektive, von der aus man beim Zielen in die First Person-Perspektive wechselt. Dieser stetige Wechsel ist dabei viel zu langsam, wodurch der rasante Spielablauf oftmals ins Stocken gerät. Immerhin wird man laufend von Zombiehorden und gegnerischen Söldnern verfolgt, wobei das Sichtfeld stark eingeschränkt wird. Das wäre noch kein Problem, wenn die Bewegungen der Spielfigur und die Waffen nicht so umständlich zu bedienen wären. Abseits der durchschnittlichen Zombies, Ganados und Majinis laufen gelegentlich auch etwas stärkere Gegner über das Spielfeld, die selbst den Kugelhagel der stärksten Waffe wie ein Schwamm aufnehmen und ungehindert auf die Spielfigur zustürmen (Die Entwickler dürften sich über diese Schwäche sogar im Klaren gewesen sein; Eine der freispielbaren Outfit-Aufkleber trägt die Aufschrift “100 Schüsse, 1 Kill”). Es kommt viel zu oft vor, dass man sich im Singleplayer am Ende einer Runde befindet und plötzlich durch einen seitlich oder von hinten auftauchenden Gegner erledigt wird und sämtliche Levels erneut spielen muss. Durch dieses willkürliche Erscheinen der Gegner ist es kaum möglich eine ordentliche Strategie auszuklügeln.

Durch den Mangel an Spielmodi und dem schleppenden Gameplay verkommt der Downloadtitel zu einem mehr als nur schlechten Shooter und einem der bislang schlechtesten Multiplayer-Spiele der aktuellen Konsolengeneration.

Capcom scheint sich dabei nie wirklich im Klaren zu sein, was Umbrella Corps. nun eigentlich sein soll, denn trotz der angesprochenen First-/Third-Person-Perspektive sind sämtliche Spielfelder mit Deckungsmöglichkeiten ausgeschmückt. Auf Knopfdruck geht der Agent somit hinter einer Wand oder einem Kasten in Deckung und kommt nur sehr umständlich aus dieser wieder hervor. Selbst das Öffnen von Türen bedarf zwei auf einander folgender Eingaben, was sich durch die spontan auftauchenden Zombiemassen als sehr schwierig erweist. Dafür kriecht die Spielfigur mit einer ebenso hohen Geschwindigkeit am Boden entlang, wie bei einem Sprint durch die Zombiemassen.

Neben der herkömmlichen Nahkampf-Attacke besitzt jeder Agent von Beginn an eine Spitzhacke, die bei Bedarf mit Strom aufgeladen werden und einen verheerenden Angriff verursachen kann. Würde das vollständige Entfalten dessen Potentials nicht so viel Zeit benötigen und nicht jegliche Taktik im Gefecht aushebeln (die aufgeladene Spitzhacke ist mit Abstand einer der mächtigsten Waffen im Spiel), wäre der “Brainer” sogar ein ganz interessantes Instrument. So verkommt das Werkzeug zu einem zu oft eingesetzten One-Hit-Killer. Dies wäre nicht weiter schlimm, wenn man nach jedem Ableben nicht rund 20 Sekunden warten muss, bis man sich wieder im Spiel befindet und anschließend wieder binnen wenigen Sekunden das Zeitliche segnet. Interessant ist die Möglichkeit in der Wartezeit das gesamte Level aus der Vogelperspektive zu betrachten, und dabei die Mitspieler in den unterschiedlichen Höhen und Tiefen des Areals zu sehen. Einen taktischen Vorteil hat man aufgrund der rasanten Spielsweise jedoch nicht.

Durch fortlaufendes Steigen im Spielerlevel schaltet man neue Individualisierungsmöglichkeiten für die eigene Spielfigur frei und kann diesen anschließend mit unterschiedlichen Aufklebern und farblichen Rüstungsteilen ausschmücken. Die Outfits sehen dabei oftmals sehr gut und realistisch aus, was einen der wenigen Highlights des Mehrspielershooters darstellt. Vereinzelte U-Trials motivieren den Spieler weiter zu spielen und möglichst viele unterschiedliche Waffen zu probieren, um neue Schießeisen, Begrüßungsmöglichkeiten und Outfits freizuschalten.

Multiplayer

Noch bevor man sich in das Mehrspielergetümmel wirft, wird man aufgefordert sich mit dem Resident Evil.Net-Account zu verbinden. Es gibt zwar die Möglichkeit, die Verbindung der Konsole mit der Capcom-eigenen Datenaufzeichnung zu einem späteren Zeitpunkt vorzunehmen, allerdings öffnet die Option im Menü wieder nur den konsoleninternen Webbrowser. Das führt vor Augen, dass sich die Entwickler nicht einmal die Mühe gemacht haben, Umbrella Corps. ein spieleigenes Anmeldesystem zu spendieren.

Der Mehrspielermodus bietet drei-gegen-drei Spielergefechte in knapp fünf unterschiedlichen Levels, wobei es derzeit nur lediglich zwei Spielmodi gibt: One Life (Team-Elimination Mode) und Multi Mission (Mehrere auf einander folgende Missionen mit Respawn-Möglichkeit). Durch den Mangel an Spielmodi und dem schleppenden Gameplay verkommt der Downloadtitel zu einem mehr als nur schlechten Shooter und einem der bislang schlechtesten Multiplayer-Spiele der aktuellen Konsolengeneration.

Grafik

Die in den ersten Trailern zu sehenden Levels bekannter Resident Evil-Ableger waren der Auslöser für den Hoffnungsschimmer, dass Umbrella Corps. doch noch ein halbwegs anspruchsvoller Action-Shooter werden könnte. Es ist in der Tat eine Freude die beiden bekannten Levels aus dem vierten und fünften Ableger in gestochen scharfer Grafik noch dazu mit alternativen Wegrouten und neuen Gehmöglichkeiten zu sehen, allerdings sind diese für das rasante Gameplay viel zu klein ausgefallen. Auf derartig engem Raum sind die 3-gegen-3-Gefechte noch ertragbar, mit den willkürlich auftauchenden Gegnern, werden die kleinen Areale allerdings schnell zu einem nervenden Frustfaktor. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die wenigen Levels, die der Shooter bietet, wirklich gut aussehen.

Neben viel zu schnellen Toden und sehr langen Ladezeiten ist das unangenehmste in Umbrella Corps. jedoch das Verhalten der Gegner im Singleplayer-Modus. Zwar bewegt sich das Monster, welches den Spieler getötet hat, allerdings stehen die restlichen Gegner planlos blickend in der Gegend herum. Im schlimmsten Fall kommt es sogar vor, dass diese ungewollt in einander verschmelzen. Das Spiel besitzt des Weiteren viel zu viele sich wiederholende Szenen, die der Gesamtoptik nach längerer Spieldauer eine fade Note verleihen. Zwar wird es Zombie-Fans erfreuen, dass die Untoten aus einem am Boden klebenden Schlamm auferstehen, allerdings verschwinden die meisten Gegner auf Anhieb nach dem sie tödlich verwundet wurden.

Sound

Bereits beim Ertönen der Titelmusik am Startbildschirm läuft einem Gamer ein kalter Schauer über den Rücken. Nicht weil dieser im typischen Resident Evil-Stil mit einer tiefen Stimme und klangvollen gruseligen Tönen untermalt wurde, sondern weil eine verzerrte Babystimme den Namen des Spieles nur beiläufig zu erwähnen scheint. Diese Qualität zieht sich quer durch das gesamte Spiel und das obwohl vereinzelte gelungene Dubstep-Soundtracks die hitzigen Gefechte zu untermalen versuchen und die Schussgeräusche der fiktiven Waffen überaus realistisch klingen. Dafür wiederholen die Spielfiguren die Aussagen bei einem gelungenen Kill oder dem Aufsammeln einer DNA-Probe viel zu oft.

Abschließende Worte

Es mag zwar sein, dass Capcom bei Umbrella Corps. keinen originalen Resident Evil-Titel kreieren wollte, dennoch verweisen die Entwickler bei der Frage, ob Resident Evil 7 Actioninhalte besitzen wird, auf den hiermit erschienen Shooter. Das Erfolgsrezept, den actionlastigen Shooterteil der Reihe als separates Spiel zu verkaufen, hat bereits auf dem Nintendo 3DS mit Resident Evil: The Mercenaries 3D hervorragend funktioniert, dementsprechend waren die Hoffnung mit dem Budget-Downloadtitel einen halbwegs unterhaltsamen Multiplayer-Titel zu erhalten ziemlich hoch. Was der japanische Entwickler hier jedoch geliefert hat, ist sein Geld aufgrund des mageren Inhalts nicht wert und allen voran selbst von den bisherigen Tiefgängen der Reihe qualitativ weit entfernt.

– Freispielbare Outfits sehen cool aus

– Waffengeräusche hören sich gut an

– Teilweise wirklich gute Dubstep-Soundtracks

– Viele unschöne Glitches

– Preislich stark überteuert

– Lächerlich wie gering der Umfang ist

– Gegner erscheinen willkürlich überall

– Vollkommen sinnloses Deckungssystem

– Lange Respawn-Ladezeiten

– Plumpe Browser-Einbindung von RE.NET

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