Es regnet erneut auf Sonys PlayStation

Man kann kaum glauben, dass der französische Entwickler Quantic Dream jemals Spiele entwickelt hat, die nicht exklusiv auf einer Sony-Konsole veröffentlicht wurden. Mit den erschienenen Titeln Heavy Rain, Beyond: Two Souls und dem bereits für PlayStation 4 angekündigten Dertroid: Become Human scheint die Spieleschmiede ihre Vorliebe für die japanische Plattform gefunden zu haben. Nachdem der letzte PlayStation 3-Titel bereits im vergangenen Jahr für die Next Gen-Einheit veröffentlicht wurde, ist es nun an der Zeit sich die Portierung des direkten Vorgängers unter die Lupe zu nehmen.

Vier Charaktere. Ein Mörder. Viele Möglichkeiten.

Der Origami-Killer treibt in einer größeren amerikanischen Stadt sein Unwesen. Die Tätigkeiten des Mörders haben bereits mehreren jugendlichen Burschen das Leben gekostet – allesamt wurden ertränkt und mit einem Origami-Falttierchen in der Hand aufgefunden. Der Spieler schlüpft dabei zuerst in die Rolle von Ethan Mars, einem Vaters, der einen seiner beiden Söhne bei einem Autounfall verloren hat und dessen zweiter Sohn im Laufe des Spiels vom anonymen Bösewichten entführt wird. Man wechselt Kapitel für Kapitel zwischen den Charakteren und erlebt dabei die Geschehnisse aus der Sicht von Scott Shelby, einem Privatdetektiv, Madison Paige, einer Journalistin und Norman Jayden einem FBI-Agenten. Jede Spielfigur hat dabei seine eigene Vorgeschichte und kämpft wie Ethan Mars mit den Geschehnissen der Vergangenheit.

Das Besondere an Heavy Rain ist, dass viele der Kapitel direkt mit einander zusammen hängen und man in jedem einzelnen dieser Abschnitte Rätsel lösen und Aufgaben absolvieren muss. Findet man an einer Stelle nicht die passende Lösung in der richtigen Zeit, kann es unter Umständen vorkommen, dass man einzelne Sequenzen überspringt oder im schlimmsten Fall einen Charakter nie wieder zu Gesicht bekommt. Natürlich lassen sich die einzelnen Abschnitte nach dem Bewältigen der Geschichte einzeln auch wiederholen, das Spiel besitzt zudem ähnlich wie Until Dawn mehrere Enden, die es sich auf jeden Fall zu erleben lohnt.

Gameplay

Heavy Rain besitzt drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, die sich ganz nach den Fähigkeiten des Benutzers richten. Da das Spiel viel Verwendung von unterschiedlichen Tastenkombinationen macht, macht es für Gelegenheitsspieler Sinn die leichtere Bedienung auszuwählen, damit Interaktionen in dem Titel möglichst zeitgemäß und akkurat erfolgen können. Bei dem Titel handelt es sich mehr um einen interaktiven Film als um ein klassisches Adventure. Dem Spieler steht meist ein großes Areal zur Verfügung, welches mit einem Charakter erkundet wird indem man mit der Umgebung interagiert. Auf dem Screen werden dabei kleine weiße Kästchen mit Pfeilen abgebildet; Anweisungen zum Neigen und Drehen des rechten Analogsticks auf dem PlayStation 4-Controller.

Mit dem linken Analogstick steuert man den Kopf des Spielfigur, kann daher leicht sehen, in welche Richtung dieser blickt und drückt anschließend die rechte untere Schultertaste zum Gehen. Abhängig von der Situation, kann man über den L2-Knopf die Gedanken der Spielfigur abrufen, welche um dessen Kopf herumschwirren und über die Aktionstasten des Controllers ausgewählt werden können. Dank der Kippsteuerung gibt es auch einzelne Bewegungsmuster, die man befolgen muss, um sich aus brenzlichen Situationen zu retten. In diesen wird der Controller auf und ab oder seitlich geschüttelt oder man reißt diesen ruckartig zur Seite, um die Quicktime-Sequenzen erfolgreich zu absolvieren. Für den Fall, dass man sich nicht mehr an die Steuerung erinnert, kann durch Drücken des Touchpads am Controller eine Auflistung sämtlicher Bedienungen aufgerufen werden. Anders als die restlichen Charaktere greift der FBI-Agent Norman Jayden auf die modernste Technik des ARI-Systems zurück. Mit Hilfe seiner Brille scannt er ganze Gebiete nach DNA-Spuren und möglichen Hinweisen für einen Fall, individualisiert sein Büro mittels interaktiver Hintergründe oder vertreibt sich die Zeit mit virtuellen Spielchen.

Erfreulich ist auf jeden Fall, dass Heavy Rain keine umständlich langen Installationszeiten mehr besitzt und man sehr schnell in den Genuss des Abenteuers kommt. Dafür wurde leider auch die Anleitung zu dem Bau des Origami-Mastkottchens entfernt, welches im Logo zu sehen ist. Der Wegfall der PlayStation Move-Steuerung in der Portierung ist etwas enttäuschend, aber bei weitem nicht so drastisch, als dass es die Qualität des Spiels beeinflussen würde. Unbegreiflich ist dafür, warum das auf der PlayStation 3 als herunterladbare Inhalt angebotene DLC “Der Präparator” nicht in die Portierung übernommen wurde.

Grafik

Als Heavy Rain vor sechs Jahren das Licht der Welt auf der PlayStation 3 erblickte, war das Spiel eines der grafisch hochwertigsten Titel seiner Zeit. Im Laufe des halben Jahrzehnts hat sich am Techniksektor allerdings einiges getan, sodass viele Stellen in dem Spiel nicht mehr ganz so imposant, wie zu seinen Releasezeiten aussehen. Zwar sind die Darstellungen des Regens und der herabperlenden Wassertropfen nach wie vor beeindruckend, dafür klaffen bei einigen Filmsequenzen richtige Pixelbrocken aus den, in Rechtecke unterteilten, Cutscene-Blöcken hervor. In solchen Momenten ist man doch etwas überrascht, dass die ingame-Grafik besser aussieht als die gerenderten Filmsequenzen.

Der Wegfall der ehemals langen Ladezeiten ist sehr erfreulich, auch wenn dadurch das Hervorheben der Gesichtsaufnahmen der Spielfiguren des folgenden Kapitel durch die Kürze der Wartezeit komplett untergehen. Da es sich um eine 1:1 Portierung des Originalspiels handelt, wirken viele Bewegungen der Spielfiguren nach wie vor etwas klobig – immerhin war Heavy Rain eines der ersten Spiele, die durchgehend Verwendung von Motion Tracking-Techniken gemacht hat. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass beispielsweise Kussszenen immer noch so aussehen, als würde man die Köpfe von zwei Puppen aneinander reiben.

Sound

Verregnete Herbsttage wären nur halb so melancholisch, wenn nicht traurige Musik die wichtigen Momente betonen würden. Heavy Rain wurde dazu passend mit einem hervorragenden Soundtrack vertont, der die langatmigen und dennoch rührenden Stellen im Spiel mit seiner ruhigen und trotzdem bedrohlichen Art untermalt. Dabei kommen sowohl Klavierklänge als auch einige Blasinstrumente zum Einsatz, die zwar allesamt die gleiche Maintheme spielen, aber durch deren markanten Eigenklang unterschiedliche Stimmungen erwecken.

Die Sprachausgaben der einzelnen Chrakteren ist sehr gelungen, wenn auch manche Konversationen unnatürlich wirken, da sich die Figuren gelegentlich von einander entfernen und trotz des großen Abstands in normaler Laustärke mit einander reden.

Abschließende Worte

So sehr man sich darüber freut, Heavy Rain endlich auch auf der PlayStation 4 erleben zu können, die Enttäuschung ist doch recht groß, wenn man merkt, dass die 1:1-Portierung einfach plump aussieht. Schlimmer noch; das DLCs aus dem Original hat es nicht in die Next Gen-Fassung geschafft. Die Story bleibt nichtsdestotrotz originell und der Soundtrack hat über die Jahre kein bisschen an Qualität verloren – etwas was man über die Grafik des Spiels nicht behaupten kann. Wer die PlayStation 3-Version des Spiels sein Eigen nennt und keine €29,99 für ein sechs Jahre altes Spiel ausgeben möchte, der sollte lieber bei der alten, für die Plattform optimierten Version bleiben.

– Grandiose Geschichte

– Nach wie vor hervorragender Soundtrack

– Keine PlayStation Move-Unterstützung

– Grafisch stellenweise sehr schwach

– Keine der früheren DLCs vorhanden

– Charakterbewegungen nach wie vor klobig

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