Eine große Herausforderung für jRPG-Fans!

Seid ihr auf der Suche nach einem fordernden jRPG für Nintendo 3DS? Dann sucht nicht länger weiter: Entwickler FuRyu und Publisher Atlus haben die perfekte Antwort für alle Spieler und Liebhaber des Genres, welches knallharte jRPG-Kämpfe und eine sehr minimale Story verspricht.

Erkunde die Insel und kämpfe dich voran!

Die charakterbasierte Handlung von The Legend of Legacy ist simpel gestrickt: Einer der sieben auswählbaren Helden macht sich aus eigenen Interessen und Motivationen auf den Weg zu der geheimnisvollen Insel Avalon, um dort Antworten auf verschiedene Fragen zu erhalten. Neben einem ambitionierten Schatzsucher, einem sprechenden Frosch oder auch einem Mädchen mit Amnesie ist jedes mögliche jRPG-Klischee vertreten, um die Gamer glücklich zu machen. Wer bei dem Rollenspiel jedoch eine epische Handlung sucht, der wird mit The Legend of Legacy keine Freude haben. Der Fokus der Software liegt nämlich einzig und alleine im Erkunden unerforschter Gebiete.

Gameplay

The The Legend of Legacy ist eine sehr fordernde Rollenspiel-Erfahrung im Stil vieler 90iger Jahre jRPGs und soll als spiritueller Nachfolger der SaGa-Reihe dienen, welches von den gleichen Schlüsselpersonen produziert wurde. Die spielbare Gruppe stellt sich anfangs aus drei unterschiedlichen Charakteren zusammen, mit jeweils unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Der Clou am rundenbasierten Kampfsystem ist das Formation-Feature, in welcher der Spieler den einzelnen Helden bestimmte Rollen (= Stances) zuteilen kann, die spezielle Vor- und Nachteile besitzen. So erhöht der “Attack-Stance” zum Beispiel den zugefügten Schaden an Monstern, während der “Guard-Stance” dem eigenen Charakter mehr Abwehr im Kampf bietet, alle Angriffe auf sich zieht und defensive Techniken auslösen kann. Im Laufe des Spieles lassen sich bis zu 13 dieser Stances lernen, welche alle besondere Eigenschaften haben.

Ein weiteres Feature stellen die Arts und Charms dar. Diese Kampf- und Zaubertechniken werden durch den Erhalt neuer Waffen und Rüstungen, das Finden von Splittern oder einem Zufallsfaktor in den Kämpfen erlernt und werden laufend stärker je öfters sie eingesetzt werden. Man übt sich in dem Spiel zudem der Tätigkeit des Kartographen, denn für das Erkunden einer ganzen Ortschaften kassiert man in Initium, der einzigen Stadt auf der Insel, große Geldsummen und kann sein hartverdientes Geld gleich in den erwerb von neuem Equipment investieren. Das Level Up-System dürfte Final Fantasy II– und vor allem SaGa-Spielern bekannt vorkommen: Anstatt dem eigentlichen Level werden lediglich einzelne Werte gesteigert, allerdings nur wenn diese auch im Kampf aktiv zum Einsatz gekommen sind. Greift man oft an, dann steigt dementsprechend die Angriffsstärke konstant. Agiert man eher defensiv, verbessert das die Abwehrattribute.

Betrachtet man das Spiel anhand der aufgezählten Features, dann hört sich The Legend of Legacy zuerst nach einem soliden Rollenspiel an, traurigerweise stimmt das jedoch ganz und gar nicht. Das Spiel wird von einem unbalancierten Grinding-Wahn geplagt. Gepaart mit den vielen Gegnern und den harten Bosskämpfen, entwickelt sich das Retro-RPG zu einer Geduldsprobe für Fans des Genres, wie es nur aus den 90ern stammen könnte. Die Gegner wenden nur allzu gerne Area-Spells auf die ganze Gruppe an, weswegen man besonders anfangs immer knapp vor der Auslöschung steht. Nur durch ein stundenlanges Grinding oder einer sehr strategischen und vorsichtigen Herangehensweise lässt sich das Spiel auf die Dauer meistern. The Legend of Legacy verfügt zum Glück über diverse Balancing-Kniffe, so dass man durch starke Monster schnell hohe Parameter erlangen kann, allerdings ist das Spiel sehr weit davon entfernt ein Rollenspiel für den Ottonormal-Spieler zu sein. Es passiert nur all zu oft, dass das komplette Team in einem Bosskampf binnen zwei Spielzügen bis zu 40-50% der HP verliert, weshalb selbst erfahrene jRPG-Spieler nicht um ihre +10 Stunden Grinding-Expeditionen herumkommen werden. Die Suche nach besseren Equipmentteilen erweist sich zudem auf Dauer als ein zähes Unterfangen, da man neue Waffen und Rüstungsteile entweder nur sehr schwer findet oder sie nur für teures Geld in der Stadt kaufen kann. Als wäre dies nicht genug, wird die Gruppe, im Falle einer Flucht aus einem Gefecht, zum Anfang eines Gebietes zurück befördert. Da lohnt es sich von der Schnellspeicher-Funktion des Spiels Verwendung zu machen.

Grafik

Während dem die Charaktere in einem Chibi-Style gehalten wurden, erinnern die Pastellhintergründe an das Grafikdesign von Square Enix Bravely Default. Es gibt zum Glück größere Unterschiede, so dass man nicht von einer direkten Kopie sprechen kann. Das Charakter- und Monsterdesign ist abwechslungsreich, was man von den besuchbaren Orten jedoch nicht behaupten kann.

Viele dieser Locations verwenden immer wieder die gleichen thematischen Assets für ganze Gebiete – hier fehlt es allerdings sehr an Vielfalt und Liebe zum Detail, weshalb man sich auf die Dauer auch schnell langweilt.

Sound

Mit Masashi Hamauzus (bekannt durch Titel wie Chocobo’s Mystery Dungeon und diverse Ableger der SaGa-Reihe) gesellt sich ein weiterer Macher des SaGa-Entwicklerstabs zum Projekt hinzu. Die Musikstücke klingen wunderbar, sind klassisch angehaucht und somit eine der Stärken des Spieles. Obwohl The Legend of Legacy stark an Bravely Default erinnert, verfügt die Software nur in bestimmten Zwischensequenzen eine englische Sprachausgabe.

Abschließende Worte

Der Gesamteindruck zu The Legend of Legacy fällt, so wie die Story, sehr simpel aus; Wer ein Fan von schweren Rollenspielen mit einer absolut minimalistischen Handlung ist, der wird mit Atlus jRPG der alten Schule auf jeden Fall seine Freude haben. Allerdings leidet das Spiel selbst dann unter einem schlecht balancierten Gameplay und langweiligen Dungeons. Immer wieder hat man das Gefühl, dass der Entwickler FuRyu ein Stück vom Bravely Default-Erfolg abgewinnen möchte, dabei nimmt sich dieser allerdings den Mund viel zu voll. Offensichtlich hat er keine Ahnung von den Stärken der mittlerweile erfolgreichen Reihe aus dem Hause Square Enix und versagt somit auf ganzer Linie.

– Sehr fordernd …

– Parameter/Attribut-System

– Erkunden und Komplettieren von Karten

– Grafisch anspruchsvolle Charaktere/Monster

– … aber stellenweise zu schwer

– Extrem minimalistische Geschichte

– Grinding ist eine Voraussetzung

– Teilweise lieblose Gestaltung der Locations

Eure Meinung dazu?