Ein kurzer Rückblick in die Videospielgeschichte

Das Entwicklerstudio Pyranha Bytes existiert schon einige Jahre und konnte in der Vergangenheit bereits mit bestimmten Spielereihen, die besonders PC-Gamern gut in Erinnerung geblieben sind, große Schlagzeilen schreiben. Mit Gothic erschuf die deutsche Spieleschmiede vor knapp 13 Jahren ein Kultspiel, das mit dessen Fortsetzung den Höhepunkt der gesamten Serie erreichte. Aufgrund mangelnder Qualität des dritten Ablegers gingen die Rechte der Reihe an den österreichischen Publisher JoWood, der allerdings im Jahre 2011 in Konkurs ging. Kein Grund für Pyranha Bytes nicht weiter Spiele zu produzieren – so entstand Risen. Der spirituelle Nachfolger der Gothic-Reihe besaß zwar nach wie vor einige Qualitäten der Vorgängerspiele, viel Zuspruch unter den Fans fand der Titel allerdings nicht. Mit dem zweiten Teil verpassen die Entwickler dem Spiel ein Piratensetting und sorgten mit unzähligen Bugs für Verdruss unter den Fans, was die noch wenigen verbliebenen Anhänger vergraulte.

Mit Risen 3: Titan Lords wird auf dem PC und den Konsolen der letzten Generation ein neuer Versuch gewagt die Spielreihe glänzen zu lassen.

Mord tötet Piraten nicht. Er verärgert sie nur!

Geplagt von schlechten Träumen einer Schlacht, die man nicht gewinnen kann, erwacht der namenlose Protagonist in der Kajüte seines Piratenschiffs. Und das genau zur richtigen Zeit, denn dieses ist auf der Fahrt zu einer verlassenen Insel, um einen Tempel zu erforschen. Unglücklicher Weise gestaltet sich die Schatzsuche nicht ganz so reibungslos wie erwartet, da sich während des Abenteuers ein Portal zur Unterwelt öffnet und dem ahnungslosen Held von einer unbekannten Macht das Leben genommen wird. Seine einzige Begleitung Patty, welche rein zufällig sogar seine eigene Schwester ist, verscharrt die Leiche im nassen Sand der Insel und zieht fort, um die schlechten Erinnerungen an ihren toten Bruder so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

Das Spiel besitzt mit Abstand einen der schlechtesten Einleitungen, die man in den vergangenen Jahren auf den Konsolen zu Gesicht bekommen hat.

Dabei bleibt es allerdings nicht, denn der gesprächige Schamane Bones belebt drei Wochen später den unverwesten Körper des Spielers. Überrascht, dass er noch am Leben ist, erfährt der Protagonist, dass seine Seele durch den plötzlichen Tot in den Besitz der Unterweltschatten gelangt ist. Wenn er sich diese nicht in kürzester Zeit wieder aneignet, verwandelt er sich in einen Dämon und wird zu einem Lakai der Unterwelt. Da er dieses Schicksal nicht akzeptieren will, zieht der namenlose Held los seine Seele wieder zu erlangen und um dessen Entführer in die Knie zu zwischen, unwissend um wen es sich an dieser Stelle genau handelt.

Risen 3: Titan Lords bietet mit seiner Story einen eleganten Übergang vom Piratensetting zu einer etwas Gothic-ähnlicheren Spielvariante, welches allerdings nach wie vor stark an die Thematik des Vorgänger erinnert. Im Laufe der Geschichte wird man sogar in Schiffschlachten gegen Seeungeheuer und Piraten verwickelt, wobei diese durch ihre flache Vermittlung nur sehr mäßig gute Stimmung verbreiten. Im Vergleich dazu bot Assassin’s Creed IV: Black Flag erinnerungswürdige und fordernde Seegefechte, zu denen man auch gerne noch zu einem späteren Zeitpunkt zurück kehrte. In den einzelnen Konversationen verstecken sich erneut moralische Entscheidungsmöglichkeiten, die sehr unterschwellig vermittelt werden, unbedeutende Seelenpunkte einbringen und leider nur eine geringe Auswirkung auf die eigentliche Handlung des Spiels besitzen. Die eher flachen Gespräche schaffen es kaum dem Abenteuer mehr Würze zu verleihen. Die mysteriösen Traumsequenzen, in denen der schlafende Spieler frühere Begleiter wieder sieht, lassen zwar Old School-Fans in Erinnerungen schwelgen, wirklich beeindruckend sind diese allerdings auch wieder nicht.

Gameplay

Risen 3: Titan Lords besitzt mit Abstand einen der schlechtesten Einleitungen, die man in den vergangenen Jahren auf den Konsolen zu Gesicht bekommen hat. Die Steuerung ist ungenau und träge, die Figuren verschwommen, die Umgebung verpixelt und das Kampfsystem einfach nur grottig. Man benötigt mehrere Stunden, um sich an die grauenhafte Umgebung zu gewöhnen. Gekämpft wird indem der Charakter die Waffe mit Hilfe des Kreis-Knopfes zückt und anschließend entweder durch das Drücken des X-Buttons angreift oder mittels Druck auf die untere, rechte Schultertaste pariert. R1 bietet noch die Möglichkeit die Sekundärwaffe zu betätigen und gelegentlich können bestimmte Items über die Steuerkreuze des D-Pads eingesetzt werden. Das Kampfsystem klingt simpel ist es aber schlicht und einfach nicht. Gegner, wie beispielsweise träge Krokodile, sind in der Lage plötzlich 10 Meter weit zu springen und töten den Spieler unerwartet aus der vermeintlich sicheren Entfernung, wogegen eigene Treffer (auch wenn sie in aufgeladener Form in Richtung Gegner schwingen) nur gelegentlich ihr Ziel finden. Man könnte meinen, die Entwickler hatten bei dem Entwurf den Schwierigkeitsgrad von Spielen wie Dark Souls 2 vor Augen, bei dem Titel aus dem Hause Bandai Namco lag dies aber sicherlich nicht an der mangelhaften Genauigkeit der Steuerung.

Trotz versauter grafischer Verhältnisse merkt man den einzelnen Arealen die Vielfalt des Leveldesigns an und auch, dass sich die Entwickler beim Entwerfen der Inseln Mühe gegeben haben.

Durch das Besiegen von Gegnern lukriert der Spieler Ruhmpunkte, welche mit den Erfahrungspunkten anderer Action-Adventures gleichgestellt werden kann. Steigt der Spieler im Level, kann dieser RPG-typisch eine bestimmte Anzahl Attributpunkte verteilen, um die Eigenschaften des Protagonisten zu verbessern. Zusätzlich dazu kann man in den Städten bei speziellen Trainern Techniken erlernen, wodurch das Knacken von Schlössern, Häuten von Tieren, dem Brennen von Schnaps und anderen Spezialberufen zum Kinderspiel wird. Dies ist auch wirklich notwendig, denn auch wenn man es nicht sofort auf den ersten Blick erkennt, Risen 3: Titan Lords besitzt eine sehr vielseitige Spielwelt. Überall wurden lieblos Items verstreut, die man zum Zusammenstellen von neuen Werkzeugen, Waffen und anderen Gegenständen verwenden kann. Das Spiel besitzt auch unzählige Locations wie Buchten, Höhlen und abgelegene Wälder in denen man auf Schatz- und Itemsuche gehen kann. Da der Spielcharakter nun seelenlos durch die Gegend wandert, hat er die Fähigkeit durch den Druck auf die L1-Taste mit der Sicht der Toten zu sehen. Dadurch wird der Hintergrund dunkel und wichtige Items hell dargestellt, was die Suche nach brauchbaren Gegenständen ungemein vereinfacht. Neu ist auch die Möglichkeit sich dank eines bestimmten Items in einen Papagei zu verwandeln, um entlegene Orte erreichen zu können, was die Jagd nach Schätzen ungemein vereinfacht.

Wäre die Steuerung und das Kampfsystem von Risen 3: Titan Lords nicht so unglaublich verhaut worden, könnte man bei dem Rollenspiel fast schon etwas wie Unterhaltung verspüren. Mit knapp 350 unterschiedlichen Quests und zahlreichen, erlernbaren Fähigkeiten bietet das Spiel wirklich viel Abwechslung und Grund sich Zwecks der Forschung auf die wenigen Inseln zu begeben.

Grafik

Pyranha Bytes neuester Titel ist ein Paradebeispiel, wie man einen PC-Titel nicht für Konsolen portieren sollte. Das gesamte Spiel ist von Anfang an komplett verpixelt, überall herrscht Kantenflimmern und Tearing ist keine Seltenheit, ebenso wenig durchgehendes Ruckeln bei Checkpoints. Dazu kommt, dass die Gegner eine unglaublich schlechte KI besitzen, dafür aber sehr viel Schaden beim Spieler anrichten.

Dabei ist die Spielewelt gar nicht einmal so grottig wie sie auf den ersten Blick erscheint. Trotz versauter grafischer Verhältnisse merkt man den einzelnen Arealen die Vielfalt des Leveldesigns an und auch, dass sich die Entwickler beim Entwerfen der Inseln Mühe gegeben haben. Aber wenn man Risen 3: Titan Lords mit aktuellen Spielen wie beispielsweise dem ersten Ableger der ersten Assassin’s Creed-Reihe vergleicht, dann sind die Unterschiede gravierend.

Sound

Bereits in den ersten Spielminuten wird man Zeuge von Risen 3: Titan Lords guten Soundtrack. Beziehungsweise könnte man werden, wenn dieser im Rahmen der einleitenden Szenen zu hören wäre. Es kommt des Öfteren vor, dass die monotonen Dialoge ohne Hintergrundsoundtracks abgespielt werden und lediglich nebensächliche Geräusche zu hören sind. Eine Verschwendung, wenn man bedenkt welch großartige Tracks – laut dem Originalsoundtrack von der Shadow Lord-Edition – eigentlich im Spiel sein sollten. Richtig schade ist auch, dass die Synchronstimmen zwar gut gewählt wurden, allerdings aufgrund der gelangweilten Ausdrucksweise vollkommen untergehen.

Abschließende Worte

Es ist richtig schade, dass Pyranha Bytes den dritten Ableger der Risen-Reihe dermaßen schleißig für Konsolen portiert hat. Risen 3: Titan Lords hätte in dieser Form nie auf den Markt kommen dürfen und zeugt davon, dass sowohl Entwickler alsauch Publisher offensichtlich willig sind unfertige Ware in Umlauf zu bringen. Wäre es bloß die teils klobige Steuerung gewesen, könnte man den Titel noch irgendwie als schwer zu bedienende Fortsetzung deklarieren. Allerdings lässt die an den Tag gelegte optische und soundtechnischen Qualität des Spiels in jeder Hinsicht zu wünschen übrig. Selbst die Story enttäuscht mit einer ungewohnt faden Struktur und lässt hoffen, dass Pyranha Bytes nicht so schnell wieder an einer Konsolenversion eines Rollenspiels arbeitet.

– Berufe erlernen für Spezialfähigkeiten

– Eigentlich vielseitige Umgebung…

– Die schrecklichsten ersten 10 Spielminuten

– … grafisch allerings eine Zumutung

– Sehr grottiges Kampfsystem

– Story nur bedingt gut

– Es kommt kaum Stimmung auf

– Dialoge sind sehr oberflächlich

– Synchronstimmen gut, aber emotionslos

Eure Meinung dazu?

Risen 3: Titan Lords für PlayStation 4 angekündigt

Nach den unzähligen HD-Remakes ist es kein Wunder, dass auch der Entwickler des Rollenspiels Risen 3: Titan Lords diesem Trend nachgeht. Die Enhanced Editions für PlayStation 4 soll eine ähnliche grafische Stärke an den Tag legen wie die PC-Version auf der „Ultra“-Einstellung und diese an manchen Stellen übertreffen. Zusätzlich beinhaltet das Spiel sämtliche herunterladbare Inhalte und macht von...