Geschichtenerzählen – Vom Bilderbuch zum Fernseher

Bereits bei der Ankündigung des Adventure-Rollenspiels auf der E3 2013 in Los Angeles war klar, dass die Optik von Child of Light in erster Linie die im Herzen jung gebliebe Gamer verzaubern wird, die in ihrer Kindheit gerne Gute Nacht-Geschichten gelauscht haben. Überrascht hat die Tatsache, dass Ubisoft Montreal, jenes Studio, das vor zwei Jahren mit dem hervorragenden Shooter Far Cry 3 im Rampenlicht der Videospielwelt stand, für die Entwicklungsarbeiten des kunstvollen Downloadtitels zuständig war. Man darf gespannt sein, ob die Mitarbeiter auch abseit des Shooter-Genres ein Talent zum Entwerfen genialer Software besitzen.

Willkommen in der Traumwelt Österreichs

Child of Light erzählt die Geschichte der jungen Aurora, einer kleinen österreichischen Prinzessin im Jahre 1895, die eines Nachts einschläft und am darauf folgenden Tag in der Traumwelt Lemuria zu sich kommt. Die Sonne, der Mond und die Sterne in dieser Umgebung wurden von der dunklen Königin gestohlen, sodass sich die unerfahrene Herzogstochter auf die Suche nach den verschollenen Himmelsgestirnen macht, um letzten Endes endlich wieder zu ihrem besorgten Vater zu gelangen.

Dem großen Abenteuer muss sich die junge Dame zum Glück nicht alleine stellen. In den ersten Spielminuten trifft sie Ignicius, einen hellblauen Feuerball, der sie während der knapp fünfzehn Stunden langen Geschichte kontinuierlich begleitet. Im späteren Verlauf trifft die kleine Kämpferin auf eine zukünftige Zirkusartistin, einen Zwerg und fünf weitere Charaktere, die Aurora nicht nur mit Rat zur Seite stehen, sondern auch im Kampf unterstützen.

Die Geschichte selbst wird dabei nur gelegentlich von einer weiblichen Stimme erzählt. Der Großteil der Story und sämtliche Konversationen in dem Spiel wurden nämlich in Reimen gehalten. Man muss sich demnach auf eine Menge gleich klingender Worte und Wortwitze einstellen. Inhaltlich kann Child of Light auf voller Linie überzeugen und ist sein Geld trotz der geringen Spielzeit in jeder Hinsicht wert. Alleine die Fülle an Dialogen, optionalen Sidequests und die liebevolle Gestaltung der einzelnen Charaktere ist ein Grund den herunterladbaren Titel einmal gespielt zu haben. 

Gameplay

Ubisofts Downloadspiel ist eine unausgeglichene Mischung zwischen Rollenspiel und Plattform-Adventure. Aurora hüpft, ähnlich wie man es aus Spielen wie Rayman Legends kennt, in den einzelnen Levels herum, sammelt Wünsche von kleinen Pflanzen ein, löst gelegentlich einfache Schalträtsel und öffnet versteckte Kisten. Die zu erkundenden Areale sind zwar wirklich umfangreich, allerdings gestaltet sich das Leveldesign sehr eintönig, wodurch die sich kaum ändernden Puzzles auf die Dauer langweilig werden. Child of Light legt sehr viel Wert darauf, dass der Spieler die riesige Welt von Lemuria auf eigene Faust erkundet, man besitzt aber nicht einmal eine detaillierte Karte auf der man bereits besuchte Locations vermerken könnte. Auch die Tatsache, dass man von Areal zu Areal zieht, um den jeweiligen Endboss zu besiegen und somit mehr Informationen über die fantastische Traumwelt zu erfahren, lässt das Spiel bereits nach kurzer Zeit zu einem oftmals wiederholenden, wenn auch optisch recht anspruchsvollen, Titel verkommen.

Kommt man einem Gegner zu nahe, startet automatisch der rundenbasierte Kampfmodus des Rollenspiels. Dieses erinnert stark an das Active Time Battle-Kampfsystem aus Final Fantasy 6 und besitzt in der Mitte der unteren Seite des Screens einen Zeitbalken. Dieser zeigt die gesamte Zeit über an wie lange die einzelnen Spielfiguren noch warten müssen, bis sie ihre Angriffe auswählen und anschließend attackieren dürfen. Die beiden Aktionen sind nämlich zeitlich knapp von einander getrennt. Greift man ein Monster an, nachdem es seine Auswahl getätigt hat, kann dieser vor dem Ausführen seines Moves unterbrochen werden. Dieses Interferrieren trifft selbstverständlich auch auf die eigenen Spielfiguren zu. Taktisches Vorgehen ist somit ein wesentlicher Bestandteil im Kampfsystem von Child of Light. Mit Ignicius, dem ewigen Begleiter des Spielers, kann man mit dem rechten Stick sogar feindliche Monster blenden und deren Wartezeit bis zu deren Angriff zusätzlich verlängern.

Man verliebt sich binnen Sekunden in den Zeichenstil des Spiels.

Einen Vorteil im Kampfgeschehen haben zweifellos jene Gamer, die kontinuierlich zwischen den einzelnen Charakteren wechseln. Im Gefecht können nämlich immer zwei Spielfiguren gleichzeitig kämpfen. Da bestimmte Personen spezielle Fähigkeiten besitzen (Heiler, Zeitmagier, Krieger) und jeder Gegner Schwächen und Stärken besitzt, ist ein geschicktes Wechseln der Charaktere sogar notwendig, um erfolgreich aus einem Gemetzel zu gehen.

Gelegentlich findet man auch kombinierbare Mineralien, die den Namen Oculi tragen und die Statuseigenschaften einer Spielfigur verbessern, sofern diese ausgerüstet oder einem Item beigelegt werden. Um wesentlich mächtigere Edelsteine zu erhalten, kann man diese auch kombinieren um, je nachdem ob man zwei unterschiedliche oder gleiche Diamanten zusammenfügt, entweder ein Mischprodukt oder einen effizienteren Klunker zu generieren.

Ein hervorragendes Abenteuer für bis zu zwei Spieler!

Da man im Spielverlauf mehrere Charaktere gleichzeitig steuert, besitzt auch jede Figur einen eigenen Skilltree, auf dem sämtliche freischaltbaren Fähigkeiten dargestellt werden. Durch einen Levelanstieg schaltet man für jeden einzelnen Held Skillpoints frei, die man nach eigenem Ermessen verteilen kann. Viel Freiheit hat man bei der Auswahl der speziellen Abilities allerdings leider nicht, denn bevor die wenigen Attacken und Passivfähigkeiten ausgewählt werden können, muss man zuerst Status-Verbesserungen wie ein marginales Upgrade des Angriffs, der Verteidigung oder der Geschwindigkeit freischalten. Das zieht das Spiel und den gesamten Entwicklungsprozess der einzelnen Charaktere unnötig in die Länge.

Wer mehr von der Geschichte erfahren möchte, wird mit den einzelnen Briefblättern eine besondere Freude haben. Ebenso wie die Geschichte wurden auch die im Spiel verstreute Briefe in Gedichtform gehalten und ziehen den Spieler mehr in den Bann der Story von Child of Light.

Multiplayer

Am meisten macht Child of Light dann Spaß, wenn man es zu zweit spielt. Ein Spieler steuert den Hauptcharakter, der andere Ignicius. Angriffe werden dabei genauer getimet und Rätsel (trotz ihres simplen Bestehens) gemeinsam bewältigt. Was sich zuerst wie ein langweiliges Spiel für den zweiten Spieler anhört, entpuppt sich bereits ab den ersten Spielminuten zu einem ebenso rasanten Titel wie Der Puppenspieler – mit dem einzigen Unterschied, dass es im Alleingang ebenso optimal bewältigt werden kann. 

Grafik

Das gesamte Spiel wurde in der, von Rayman Legends bereits bekannten, UbiArt Framework-Engine gehalten, wobei die in Aquarell gezeichneten Umgebungen mit japanischen Einschlag im fantastischen Land Lemuria natürlich wesentlich besser zur Geltung kommen, als im Jump’N’Run-Abenteuer des anthropomorphen Blondschopfs. Allein bei Auroras Haarpracht, die wellenartig hinter der jungen Prinzessin herschwebt, verliebt man sich in den Zeichenstil des RPG-Adventures. Es bewegen sich allerdings nicht nur die einzelnen Spielfiguren, sondern auch die Hintergründe während dem Voranschreiten, sodass sowohl im Kampf als auch in den Plattformer-Passagen genügend Abwechslung entsteht.

Vereinzelte Konversationen sind direkt in das Plattformer-Spielgeschehen eingebunden. Der Großteil erfolgt in Form von Gesprächen, bei denen die aktuelle Emotion des Charakters mittels eines Bildes vermittelt wird. Beim Design der Charaktere wurde dabei viel Wert auf dessen Verhalten gelegt, sodass man je nach der Lebenseinstellung auch spezifische Gefühlszüge der Figur zu sehen bekommt. 

Sound

Child of Light besitzt ein paar wirklich gute Soundtracks, die dem verträumten Grafikstil eine besondere Note verleihen. Sowohl die angenehmen Klaviertöne zu Beginn des Spiels als auch die zarten Harfentöne, die gelegentlich zu hören sind, passen hervorragend zu dem Fantasytitel. Unglücklicher Weise ist das Sortiment der unterschiedlichen Tracks sehr begrenzt ausgefallen, sodass man den selben Soundtrack in oftmaliger Wiederholung zu hören bekommt.

Die Figuren selbst besitzen keine Sprachausgabe, lediglich die Erzählerstimme ertönt gelegentlich, um den Spieler über storyrelevante Geschehnisse zu informieren. Das ist auch gut so, denn so bleibt es der Fantasie eines jeden Spielers überlassen sich eine passende Stimme für die junge Herzogstochter zu erfinden. Die deutschen Textpassagen gestalten sich zu Beginn der Geschichte zwar als schwer leserlich, werden aber im späteren Verlauf leichter zu lesen, weil man sich an den Gedichtsstil gewöhnt.

Abschließende Worte

Ubisofts hübsches Märchentitel ist vieles; kurz, beeindruckend, verträumt, optisch betrachtet vielseitig und auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung zu sämtlichen derzeit herunterladbaren Spielen auf dem Videospielmarkt. Wenn man von den stellenweise viel zu simpel ausgefallenen Rollenspiel-Passagen wegblicken kann, bietet Child of Light ein hervorragendes Abenteuer für bis zu zwei Spieler, in das man für kurze Zeit eintauchen kann. Die Entwickler beweisen zudem, dass die UbiArt-Framework auch bei anderen Titeln als der Rayman-Reihe eingesetzt werden kann. Dazu verzaubern diese mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, fabelhaften Konzeptzeichnungsähnlichen Hintergrundgrafiken und einem verträumten Soundtrack, dessen einziges Manko die mangelnde Vielseitigkeit ist. Nichtsdestotrotz sollte man das Downloadspiel der Far Cry 3-Macher auf jeden Fall gespielt haben!

 

– Fabelhafte Optik

– Ein für zwei Spieler ausgelegtes Abenteuer

– Liebevoll erzähltes Märchen

– Verträumter Soundtrack

– Vielseitiges Charakterdesign

– Oft wiederholende Levelabschnitte

– Deutsche Textpassagen sind grottig

– Der Fähigkeitenbaum ist zu simpel

– Repetativer Umgebungsaufbau

Eure Meinung dazu?

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