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Bloodstained – Ritual of the Night
Follow Entwickler: ArtPlay
Publisher: 505 Games
Altersfreigabe: 12+
Release: 21. Juni 2019

Bloodstained – Ritual of the Night

Site Score
8.5
Good: Origineller Grafikstil, Interessante Charaktere, Stimmiger Soundtrack
Bad: Castlevania-Gegner-Recycling, Vereinzelte Slow Downs
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Der Castlevania-Phönix erhebt sich aus der Asche!

Wenn man bedenkt, dass es aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Hause Konami vermutlich nie wieder ein neues, vollwertiges Castlevania geben wird, ist man als Fan der Reihe natürlich schon ein wenig enttäuscht. Besonders, da Castlevania: Lords of Shadow erstmals eine erfolgreiche 3D-Action Adventure-Umsetzung der Serie verkörperte und dementsprechend auch gute Bewertungen erhielt. Ähnliches dürfte sich Koji Igarashi, der Produzent von Klassikern wie Castlevania: Symphony of the Night und langjähriger Mitarbeiter bei Konami, gedacht haben, welcher bei den ersten deutlichen Anzeichen der Firmen-Umstrukturierung das Unternehmen verließ, 2014 seine eigene Spieleschmiede ArtPlay gründete und mit seinem ersten Projekt Bloodstained: Ritual of the Night gleich einen beachtlichen Kickstarter-Rekord erzielte. Aus der ursprünglich für die Realisierung des Spieles geplanten 500.000$-Hürde wurde anschließend, durch die Begeisterung der Unterstützer, ein 5,5 Millionen Dollar schweres Projekt, welches sein Ende ursprünglich im März 2017 finden sollte. Durch die Verzögerung und der natürlichen, technischen Entwicklung der Konsolen, fiel zudem die versprochene PlayStation Vita- und Wii U-Version der Kürzung zum Opfer, was der Qualität des Spiels jedoch keineswegs schaden sollte. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die endgültige Version des beachtlichen Kickstarter-Unterfangens im Vergleich zu seinem spirituellen Vorgänger verändert hat.

Vampire sind gestern! Etwas Neues muss in die Bude!

Noch bevor die Bevölkerung Europas in den ungewollten Handkuss der Pest-Pandemie kommen konnte, belagerten laut der Geschichte von Bloodstained: Ritual of the Night unzählige Kreaturen der Hölle die britische Zivilisation. Die wenigen Überlebenden suchten in Kathedralen und Kirchen nach Zuflucht, wo Gläubige nach einem übernatürlichen Schutz forschten. Diesen fand man in Form von magischen Splittern, die den Kriegern implantiert wurden und deren Träger mit außerordentlichen Kräften belohnten. Mit Hilfe dieser bunten Kristalle gelang es die Übermacht der Monster zu bannen, auch wenn es das Leben vieler Splitter-Krieger, sogenannten Shardians, kostete. Lediglich zwei Krieger, ein Mann Namens Gebel und die Protagonistin Miriam schafften es mit heiler Haut aus dieser großen Schlacht zu gehen. Der Preis für den Einsatz der Splitter-Technologie war jedoch ein sehr großer, denn die bunten Kristalle breiteten sich zunehmend auf der Haut der Träger aus und drohten die zwei Überlebenden zu verzehren. Miriam verfiel daraufhin in ein Koma und ließ ihren Leidensgenossen, welcher sich bereits in einem sehr fortgeschrittenen Splitter-Stadium befand, zurück. Als sie nun nach genau zehn Jahren von ihrem treuen Unterstützer Johannes aus ihrem ungewollten Tiefschlaf geweckt wird, befindet sich das Land erneut unter Belagerung von übernatürlichen Kreaturen, wobei der Ursprung des Übels von einem verlassenen Schloss auf einer einsamen Insel zu kommen scheint. Schlaftrunken aber kein bisschen weniger kampfentschlossen als vor dem Dekaden-Nickerchen, folgen die beiden dem Ruf des Abenteuers, um der erneuten Dämonen-Invasion auf den Grund zu gehen.

Gameplay

Bloodstained: Ritual of the Night bringt mit den Shardians einen frischen Wind in das, zuvor unter dem Deckmantel der Vampire bekannt gewordene, Metroidvania-Genre. Die Idee ist hervorragend, die dazu gebotene Geschichte originell und die darum geknüpfte Welt sehr authentisch. Neben Miriam und Gebel gibt es noch zahlreiche Überlebende in dem von Monstern bewohnten Höllenschloss, die dem Spieler, im Falle einer erfolgreichen Rettung, mit Items oder zusätzlichen Sidequests zur Verfügung stehen. Somit hat man stets eine Nebenaufgaben vor Augen und kann sich abseits der Story auf der riesigen Karte in klassischer Castlevania-Manier austoben. Was dem Spiel allerdings von Beginn an fehlt, ist ein eindeutiges Ziel. Wo der spirituelle Vorgänger den Spieler mit eindeutigen Hinweisen in eine bestimmte Richtung lotste, ist in diesem Titel blindes Herantasten in einer Welt voller Gefahren und rätselhafter Mechanismen angesagt. Dabei greift Bloodstained: Ritual of the Night mehr auf klassische Elemente zurück, als man dies von einem Spiel im Jahre 2019 verlangen würde. Somit freut man sich über die regelmäßigen Speicherpunkte und Teleportationsmöglichkeiten, ärgert sich aber über mangelnde Checkpoints, die mitunter für die ein oder andere verlorene Spielstunde verantwortlich sind, sofern man das Zeitliche segnet. Koji Igarashis Kickstarter-Projekt hat dabei zahlreiche, nützliche Upgrades im Vergleich zu den früheren Klassikern. Beispielsweise kann die Minimap nun jederzeit auf Knopfdruck variabel durchsichtig im Hintergrund angezeigt sowie die Länge und Breite der Karte angepasst werden und es lassen sich auch Markierungen bei Schlüsselpunkten erstellen.

Im Kampf gegen die Monsterhorden greift Miriam auf eine Vielzahl unterschiedlicher Waffentypen zurück (Messer, Kurzschwerter, Katanas, Großschwerter, Peitschen, Morgensterne und sogar Schusswaffen) und findet im Laufe des Abenteuers immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände, die nicht nur das Aussehen der Protagonistin sondern auch ihre Statuswerte beeinflussen. Über das Lesen von Büchern in sporadisch zu findenden Regalen lernt man zudem neue Techniken, die den verwendeten Waffen eine zusätzliche Verwendungsmöglichkeit verleihen. Man schlägt sich somit mit dem riesigen Breitschwert nicht nur durch die Gegnermassen, sondern initiiert durch eine vorgegebene Tastenkombination einen Spezialangriff, der nach jeder Verwendung die Magie-Leiste der Spielfigur dezimiert. Magie benötigt der Spieler auch beim Einsatz von Miriams magischen Arm, den man mit Hilfe des rechten Analogsticks auf einen gewünschten Gegner richten und anschließend einen Angriff tätigen kann. Zusätzlich besitzt jedes Monster im Spiel einen Splitter mit einer speziellen Fähigkeit, die man nach dem Besiegen per Zufall erhalten und anschließend auch selbst anwenden kann. Je mehr Splitter man von der gleichen Fähigkeit sammelt, umso stärker wird der Angriff im Anschluss, allerdings wirkt sich das Horten der Splitter schlecht auf die Gesundheit der Protagonistin aus. Das bekommt man zwar nicht direkt mit, eine erhebliche, storytechnische Auswirkung hat es allerdings schon, da sich die Splitterkrankheit dadurch schneller ausbreitet. Die Steuerung ist dabei ausgesprochen simpel anzuwenden aber knifflig zu meistern. Durch einen Druck auf L1 weicht man rücklings gegnerischen Angriffen aus und ist für den Bruchteil einer Sekunde gegen jeglichen Angriff immun. Diese Fähigkeit gilt es im Gefecht gegen durchschnittliche Gegner zu üben und anschließend bei Bossen zu perfektionieren. Immerhin sind diese gelegentlich so dermaßen fordernd, dass man durchaus mehrere Anläufe zum erfolgreichen Bestreiten der Geschichte benötigt.

Damit sich Bloodstained: Ritual of the Night nicht nur auf das Jagen von Monstern und Sammeln von Fähigkeiten konzentriert, lässt jedes besiegte Wesen und jede geöffnete Truhe Ausrüstungen aber auch weiterverarbeitender Gegenstände zurück. Mit Hilfe dieser kann Miriam gemeinsam mit Johannes Speisen kochen, die der jungen Kriegerin beim ersten Mal eine bleibende Statusverbesserung und bei allen darauf folgenden Gelegenheiten einen temporären Push gibt. Andere Items wie beispielsweise Wolle, Eisen, Hanf und die Überreste von Gegnern lassen sich zu Waffen oder Rüstungen weiter verarbeiten. Gelegentlich gibt es sogar Sidequests in denen NPCs gewisse Items benötigen, um gerettet zu werden oder dem Spieler anschließend mit speziellen Diensten zur Seite zu stehen. So versorgt ein Bauer Miriam beispielsweise mit Reis und Weizen, sofern man diesem das notwendige Getreide für den Anbau zur Verfügung stellt. Das solide Crafting-System ist zudem eine nette Nebenaufgabe, mit der man auf jeden Fall eine Zeit lang experimentieren kann.

Multiplayer

Wer die Kickstarter-Kampagne von Bloodstained: Ritual of the Night ein wenig verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass auch eine Mehrspieler-Option für das Abenteuer angekündigt wurde. Dies ist bei der endgültigen Version des Spiels zwar auch der Fall, bezieht sich derzeit allerdings ausschließlich auf den Boss Rush-Modus, welcher erst nach erstmaligem Durchspielen verfügbar wird. Eine weitere Version des offline-/ online-Coop-Modus dürfte zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.

Grafik

Der Kirchenfenster-/ Cel Shading-Look passt hervorragend zu dem Image von Bloodstained: Ritual of the Night und obwohl ArtPlay das Design des Kickstarter-Projekts noch im letzten Stadium der Entwicklung abgeändert hat, sieht es verblüffend gut aus. Sämtliche Levels sind dabei so designt worden, dass man als Kenner des Genres sofort erkennt, welche Bereiche des Spiels erst mit der richtigen Fähigkeit betreten werden können. Diese zu erlernenden Techniken sind dabei recht durchschnittlich ausgefallen (Doppelsprung, eine riesige magische Hand, die Gegenstände aus dem Weg räumen kann), für den ersten Ableger des auf eigenen Beinen stehenden Entwicklers ist es aber mehr als ausreichend. Das Charakterdesign ist passend zu dem Gothic-Stil des Spiels gewählt worden, wobei sich unter der ernsten und harten Schale ein weicher und lustiger Kern befindet. So trifft man neben all den Gefahren zum Beispiel auf Todd, einem verfluchten Friseur, der den auf ihm lastenden Fluch erst durch das Absolvieren von 666 Haarschnitten brechen kann (hier können beispielsweise Miriams Haare und Kleidung laufend geändert werden). 

Anhand der Gegnertypen kann man bereits Parallelen zwischen den Widersachern von diversen Ablegern der Castlevania-Reihe und Bloodstained: Ritual of the Night sehen. Es gibt natürlich auch eine Handvoll neuer Gegner (unter anderem auch eine Hommage an Shovel Knight) zudem sieht man die jeweiligen Kickstarter-Unterstützer in vereinzelten Gemälden an den Wänden des Schlosses. Leider sind während dem Testen gelegentlich Framerate-Probleme vorgekommen, darüber hinaus gab es vereinzelte Grafik-Glitches zu sehen, darunter auch fallen gelassene Lootbeutel, die sich nicht öffnen ließen. Das originelle Grafikdesign geht zudem leider Hand in Hand mit einigen unsauberen Stellen, sodass es gelegentlich erscheint, als hätte man auf die letzte Politur verzichtet. Diese Punkte halten sich in Grenzen, daher wird der Spaß- und Staun-Faktor so gut wie gar nicht getrübt.

Sound

Man merkt es bereits ab der ersten Spielminute: Der Castlevania-Stil ist nach wie vor sehr dick aufgetragen und das ist auch gut so. Bloodstained: Ritual of the Night macht von einer ebenso vielseitigen und hochkarätigen Soundkulisse Verwendung wie seine spirituellen Vorgänger. Jeder Bereich auf der Karte hat seinen eigenen Soundtrack, der sich beim Wechseln der Location ändert. Dieser reicht dabei von gruselig bis hin zu verträumt – den Eindruck bekommt man bereits bei der Melodie im Hauptmenü recht gut vermittelt. Es ist natürlich kein Zufall, dass der Score mit dem der Castlevania-Reihe vergleichbar ist, immerhin war die Komponistin Michiru Yamane auch bei den Vorgängern federführend. Einer meiner Lieblingsstellen im Spiel ist dabei zweifellos jener, in dem sich Miriam bei Mondschein im Garten zu einem Flügel setzt und anschließend eine Sonate am Klavier musiziert.

Beeindruckend ist auch, dass sämtliche Gespräche in englischer Sprache vertont sind und die Sprachausgabe von bekannten Stimmen erfolgt. So erklingt beispielsweise bei der Nebenfigur Zangetsu die Stimme von David Hayter, seines Zeichens jahrelanger Sprecher der epischen Spielfigur Solid Snake aus der Metal Gear Solid-Reihe, und auch Robert Belgrade, der in früheren Ablegern der Castlevania-Reihe Alucard synchronisierte, ist mit an Board. Die jahrelange Erfahrung der Veteranen macht sich im Vergleich zu den Neuzugängen bemerkbar, da besonders am Anfang die ruhig Stimmlage von beispielsweise Miriam überhaupt nicht zu der dramatischen Stimmung im Spiel passt. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Konversationen stellenweise sehr lustig sind und somit die ernsten Situationen manchmal ins Scherzhafte bewegen. Des Weiteren haben die NPCs unterschiedliche Sprüche auf Lager und reagieren auch dementsprechend darauf, wenn der Spieler sie öfters hintereinander anspricht.

Abschließende Worte

Die Erwartungen an Bloodstained: Ritual of the Night seitens der Castlevania-Anhänger waren hoch und sind gekonnt erfüllt worden. ArtPlay hat die Verschiebung des Erscheinungsdatums um zwei Jahre definitiv gut getan, sodass man sich nun über ein gelungenes Abenteuer freuen kann! Eine interessante Story mit wohl überlegten Charakteren, ein überaus solides Kampfsystem und dazu passend ein stimmiger Soundtrack mit einem unikaten Grafik-Design. Würde man außer Acht lassen, dass der Titel von Fans über Kickstarter finanziert wurde, könnte man meinen, dass das Spiel von einem Entwicklerteam mit viel Erfahrung stammt (was sogar durchaus der Fall ist). Mit diesem erfolgreich getätigten Startschuss bleibt nun abzuwarten, was der nächste Ableger mit sich bringen wird beziehungsweise mit wievielen Jahren Verspätung dieser auf den Markt kommen wird. 

– Neuwertige Story

– Origineller Grafikstil

– Interessante Charaktere

– Stimmiger Soundtrack

– Bekannter Synchronisatoren

– Alle Gespräche vertont

– Gelungenes Crafting-System

– Genug Alleinstellungsmerkmale

– Castlevania-Gegner-Recycling

– Vereinzelte Slow Downs

– “Nur” Boss Rush-Multiplayer 

– Framrate-Probleme & Glitches

Geektor


"Meister der Grimassen", "vollkommen durchgeknallter Gamer" und ähnliche Namen wurden Geektor bereits zugesprochen. Aber wenn es jemanden gibt, mit dem man gerne objektiv über Videospiele und deren Entstehungsgeschichte diskutiert, dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit dieser vollkommen durchgeknallte Meister der Grimassen!
Bloodstained – Ritual of the Night – Fakten