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Darum ist The Division moralisch gesehen verwerflich

Seit einem knappen Monat ist Ubisofts neuester Multiplayershooter The Division nun endlich am Markt erhältlich und sowohl die Gamerschaft als auch die Presse dürfte ihren Spaß beim Erkunden der amerikanischen Metropole gehabt haben. Auch mir bot das Spiel überaus viel Unterhaltung, dementsprechend gut ist auch die Beurteilung unserer Seite zu dem Titel ausgefallen. Doch das Spiel macht in gewisser Weise wesentlich mehr als Gamern die Möglichkeit zu bieten, nach einem harten Arbeitstag mit ein paar Freunden durch die Straßen von New York zu schleichen und ohne Konsequenzen alles über den Haufen zu schießen, nach durchschnittlich vier Stunden Spielezeit wieder in die sichere Realität zurück zu kehren, um anschließend schlafen und am nächsten Tag in die Arbeit zu gehen. Abseits von den technischen Schwierigkeiten mit den Servern, die mittlerweile vermutlich bereits ein Problem der Vergangenheit sind, gibt es noch wesentlich gravierendere Punkte, die den Shooter zu einem der schrecklichsten Titel aller Zeiten machen.

Spielereihen wie Call of Duty und Battlefield bringen den Gamern bereits seit Jahrzehnten den Realismus von Kriegsgeschehen ins Wohnzimmer und gaukeln diesem die Nähe zur virtuellen Front vor. Dabei wird dem Spieler aber immer eines sehr deutlich vor Augen geführt; Menschen im Internet zu töten ist erlaubt und mittlerweile zu einer Sport-ähnlichen Aktivität geworden. Am leichtesten ist dies mit einer Runde Völkerball zu vergleichen. Triffst du deinen Gegner, gewinnst du einen Punkt. Wirst du getroffen, verlierst du einen Punkt. Am Ende der Spielrunde weiß jeder, dass es nur ein Spiel war, immerhin hat sich jeder genau auf das eingestellt. Somit wird bei einer Runde Team Deathmatch oder Capture the Flag unabhängig vom Grad der Brutalität über die realen Gewaltdarstellungen hinweg geblickt und die Spiele in den meisten Fällen für ein möglichst hohen Grad an Realismus gelobt. Nichts erfreut den Spieler mehr als die Mgölichkeit den virtuellen Gegenüber möglichst brutal den Kopf einzuschlagen – ist ja alles nur digital!

Menschen im Internet zu töten ist erlaubt und mittlerweile zu einer Sport-ähnlichen Aktivität geworden.

Nun steht im Gegensatz zu Kriegsspielen, wie Call of Duty und Battlefield, bei The Division nicht primär das Töten von Menschen im Vordergrund. Zumindest in den werbenden Trailern. Denn in diesen wird einem das Wiederherstellen der ursprünglichen Lebensbedingungen in New York als eigentliches Ziel vorgegeben. Der 08/15-Bürger greift – trainiert oder untrainiert – zur Waffe und sorgt selbst dafür, dass den unbekannten Verbrechern nach dem Versagen der staatlichen Einrichtungen das Handwerk gelegt wird. „Das sind meine Leute. Das ist meine Stadt. Wir holen sie uns zurück.“ verspricht der deutschsprachige Launchtrailer des Spiels, aber trotz aller Bemühungen sind die Straßen von New York selbst nach dem Beenden der letzten Mission noch von herkömmlichen Banditen übersät, die der zivilen Bevölkerung zum Verhängnis werden. Ubisoft wirbt sogar damit, dass im Laufe des Jahres noch weitere Inhalte erscheinen werden, die diesen Chaos-Zustand beibehalten werden. Immerhin wäre das Spiel langweilig, wenn man nach 20 Stunden Spielzeit die Credits, ein Happy Ending und ein New York im ursprünglichen Glanz sehen würde.

Aber kehren wir zum wesentlichen Punkt dieses Artikels zurück; Warum The Division trotz seiner zugänglichen und spielerisch auf lange Sicht motivierenden Inhalte derzeit eines der moralisch verwerflichsten Spiele am Markt ist?

Ein Bürger wird vor mir getötet. Ich töte den Aggressor. Der Bürger ist mir eigentlich egal.

New York versinkt in der Anarchie, jeder NPC und selbst der Spieler plündert jedes Geschäft und sogar Privatwohnungen ohne Hemmungen und ohne der Gefahr irgendwo einmal im Spiel darauf hingewiesen zu werden, dass man soeben einer hungernden Familie die Rationen aus dem Kühlschrank gestohlen hat. Es ist mir zudem nicht nur einmal passiert, dass offensichtlich kranke Menschen vor mir auf der Straße zu Boden gegangen sind und ich ihnen, so sehr ich es auch versucht habe, nicht einmal Erste Hilfe leisten oder sie zum nächsten Krankenhaus bringen konnte. Mir blieb lediglich die Möglichkeit ihnen beim langsamen Verrecken zuzusehen. In so einem Fall hat man nicht einmal die Möglichkeit der leidenden Spielfigur durch einen Schuss die Qualen zu nehmen (Tiere kann man aber dennoch ohne jede Konsequenz töten).

Aggressor oder Zivilist? Egal, meinen Kugelhagel frisst jeder!

Es geht in dem ganzen Spiel eigentlich auch gar nicht wirklich darum die staatlichen Einrichtungen von New York wieder herzustellen, sondern ausschließlich darum die nächstbeste Waffen und Ausrüstungsgegenstände zu finden. Wir verbringen Stunden damit Gegner über den Haufen zu schießen, um hoffentlich stärkere Waffe oder bessere Modifikationen mit höheren Statuswerten sowie eine lässige Kappe zu erhalten, mit der wir vor anderen Gamern auffallen und aus der virtuellen Masse mehr hervorstechen, dass wir in erster Linie eine Sache vergessen; Wir haben getötet und gestohlen, um diese Waren zu erhalten. Dort wo Call of Duty und Battlefield den Spieler nach einer Spielrunde separat durch andere Errungenschaften mit zusätzlichen Modifikationen belohnt, knöpfen sich Gamer die Neuerungen in The Division direkt vor Ort bei der Leiche der besiegten Spielfiguren ab. Selbst in Destiny lässt sich das Besiegen der außerirdischen Besatzungskräfte noch irgendwie rechtfertigen, immerhin haben diese die Erde in erster Linie belagert. Nichtsdestotrotz kreieren die Entwickler bei Bungie eine Hürde beim Freischalten von neuen Waffen, indem die erlangten Gegenstände erst beim Händler untersucht werden müssen, bevor man deren Wert und Nutzen überhaupt kennt.

Vor mir stirbt gerade jemand und ich kann nur zusehen…

Im Rahmen meiner Einsätze ist es zudem nicht nur einmal vorgekommen, dass ich eigentlich gar keine Rücksicht darauf genommen habe, ob Zivilisten im von mir verursachten Kugelhagel überhaupt in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Dark Zone mag vielleicht die große Ausnahme sein, da ist aber auch das Spielerlevel ausschlaggebend, ob man nun von zufällig angeschossenen Spielern im Gegenzug eliminiert wird oder dies ein ungewollter Friendly Fire-Ausrutscher war. Wozu sollte ich denn überhaupt Rücksicht auf Zivilisten nehmen? Sie werden ohnehin nicht verletzt, wenn ich bei einer Geiselname eine Granate ins Getümmel werfe. Sobald sich auf dem Spielfeld ein Ziel mit einer farblichen Markierung befindet, überlegen wir nicht einmal ob die Person, der wir in Kürze zehn Kugeln mit dem Maschinengewehr in den Rücken jagen, Kinder oder eventuell selbst eine Familie zu ernähren versucht. Wir denken nur daran, dass er uns Sekunden später angreifen könnte, weil er darauf programmiert wurde. Und wir erschießen ihn ohne im Nachhinein auch nur darüber nachzudenken, welchem New Yorker Bewohner dieser Mensch nun abgehen wird, weil uns das Spiel die Möglichkeit, die Freiheit dazu gibt ohne Konsequenzen zu agieren. Allein dieser moralischer Überschritt geht weit über Predefence geschweige denn Notwehrüberschreitung und bewirkt bei Gamern einzig und alleine eine Reaktion; Meine Aktionen, egal ob diese moralisch nun vertretbar sind oder nicht, werden niemals Konsequenzen haben. In all den Jahren, in denen ich mit Videospielen gearbeitet und über diese geschrieben habe, gab es meistens immer eine klare Definition von dem was im Endeffekt in Ordnung oder nicht in Ordnung war.

Diese Punkte ändern nichts an der Tatsache, dass The Division ein wirklich gutes und vor allem langzeitmotivierendes Spiel ist. Es verdeutlich nur erneut, die Sichtweise des Entwicklers über uns Gamer; dass es uns weniger Wert ist einem Menschen in Not zu helfen und wir eigentlich auch gar nicht wissen wollen was mit den Menschen passiert, denen wir eine Kugel in den Kopf jagen, solange es danach eine adäquate Belohnung gibt.

Geektor


"Meister der Grimassen", "vollkommen durchgeknallter Gamer" und ähnliche Namen wurden Geektor bereits zugesprochen. Aber wenn es jemanden gibt, mit dem man gerne objektiv über Videospiele und deren Entstehungsgeschichte diskutiert, dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit dieser vollkommen durchgeknallte Meister der Grimassen!

Eure Meinung dazu?